Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Aktuell


Demonical - Mass DestroyerDemonical - Mass Destroyer

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2022
Label: Agonia

Die Götter des Schönwetter-Death-Metals sind uns wohlgesonnen diesen Sommer. Nach SENTIENT HORROR beglücken uns auch DEMONICAL mit neuem Material, und diesmal ist Meister Schulmann wirklich der ganz große Wurf gelungen. Keine erneuten Besetzungswechsel, keine Experimente, keine Kompromisse. Dafür gibt es typischen Schwedendeath in fast allen Variationen, die das Herz begehrt.

Wie schon auf dem Vorgänger "World Domination" (siehe Review) sind die meisten Songs im klassischen Uptempo gehalten. Aushängeschild ist bereits der Opener "We Conquer the Throne", den ich als Anspieltipp ausgewählt habe und der mit seiner thrashigen Gitarrenarbeit mehr nach CENTINEX klingt als die (heutigen) CENTINEX selbst. Auch der Nachfolger "Sun Blackened", "Dödsmarsch" und das geniale "Cemented in Ire" ballern direkt in die Fresse, aber es gibt auch ein paar willkommene HYPOCRISY-artige Verschnaufpausen. Aussetzer oder Ausflüge in fremde Gefilde findet man, wie erwähnt, keine. Der einzige Wermutstropfen ist die mit 32 Minuten arg dürftig ausgefallene Gesamtspielzeit.

Während sich LIK im Ringen um die Goldmedaille gegenüber SENTIENT HORROR einen kleinen Vorsprung erarbeitet haben, mogeln sich DEMONICAL mit "Mass Destroyer" fast unbemerkt auf den dritten Platz. Kaufen, saufen, Luftgitarre auspacken. Danke.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Sentient Horror - Rites of GoreSentient Horror - Rites of Gore

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: USA
Jahr: 2022
Label: Testimony

Weiterentwicklung back-to-the-roots, so könnte man "Rites of Gore" kurz und bündig zusammenfassen. Natürlich verwöhnen uns SENTIENT HORROR weiterhin mit dem typisch leichtfüßigen Best-of-DM, den sie spätestens mit dem Vorgänger "Morbid Realms" (siehe Review) perfektioniert haben. Auf der Skala zwischen Stockholm und Amerika schlägt das Pendel aber diesmal recht weit in Richtung AUTOPSY aus. Dadurch wird "Rites of Gore" sowohl interessanter als auch etwas schmutziger und weniger zugänglich.

Aber keine Angst. Insgesamt bleiben SENTIENT HORROR grundsätzlich ihrer Linie treu und liefern gerade in den Bereichen Riffing und Songwriting genau die Qualität ab, die man von ihnen gewohnt ist. Wie schon auf den Vorgängern gibt es tolle Melodien und Soli, D-Beats, Blasts, hier und da auch ein bisschen Crust, Verbeugungen in Richtung BOLT THROWER ("Splitting Skulls") und als CD-Bonus eine umwerfende Cover-Version von ENTOMBEDs "Supposed to Rot".

Warum ich letztendlich einen halben Punkt weniger gebe als bei "Morbid Realms": Zum einen finde ich keine eindeutigen Hits, die sich vom hochwertigen Rest noch einmal absetzen. Und zum anderen funktioniert der Mix nicht auf jedem Wiedergabegerät, wie ich überrascht feststellen musste. Stereoanlage = top, Smartphone-Lautsprecher = schlecht, Auto = perfekt.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:

Sentient Horror - Till Death Do Us Rot


Konvent - Call Down the SunKonvent - Call Down the Sun

Eckdaten:

Stil: Death-Doom
Land: Dänemark
Jahr: 2022
Label: Napalm Records

KONVENT waren für mich eine der überraschendsten Neuentdeckungen der letzten Jahre (siehe Review zum Debüt "Puritan Masochism"). Der Titel des Zweitwerks "Call Down the Sun" klingt zwar ein wenig nach INSOMNIUM, ist aber musikalisch meilenweit vom leichtverdaulichen Nordlicht-DM entfernt. Und das ist auch gut so.

Da ich nach wie vor im Bereich Death-Doom komplett ungebildet bin, kann ich KONVENT nur mit ihnen selbst vergleichen. Und da lässt sich zunächst festhalten, dass sich an der Grundsubstanz des Sounds kaum etwas geändert hat. Auch das ist gut so. Zähflüssig, hypnotisch und tonnenschwer sind so die ersten Vokabeln, die einem zur Beschreibung in den Sinn kommen, wobei sich das "hypnotisch" vor allem auf die Melodien und (Dis-)Harmonien der Gitarrenarbeit bezieht. Der unmenschliche Gesang von Frontfrau Rikke ist ein weiteres Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal, wobei ich meine, dass sie die Extreme noch etwas weiter auslotet als auf "Puritan Masochism". In "Grains", welches als Vorab-Video auf YT veröffentlich wurde, ist das in der Tat etwas over-the-top, aber das ist Geschmackssache.

Womit wir zum Songwriting kommen. Hier sehe ich die deutlichsten Unterschiede - bzw. Verbesserungen. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter und eine essenzielle Funktion im Albumkontext. Die Highlights sind dabei am Ende geballt. Nach einem kurzen Instrumental folgt das mächtige "Never Rest", das super-eingängige "Pipe Dreams" (siehe Anspieltipp) und der finale Track "Harena", bei dem wir nicht nur Streichereinsätze, sondern auch endlich mal ein lupenreines Gitarrensolo zu hören bekommen. Ein fantastischer Abschluss, der auch die schöngeistige TIAMAT/MY DYING BRIDE-Fraktion ansprechen dürfte.

Insgesamt eine tolle Weiterentwicklung einer einzigartigen Band. Und - ja genau - auch das ist gut so.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook

Anspieltipp:


Amorphis - HaloAmorphis - Halo

Eckdaten:

Stil: Progressive/Folk/Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2022
Label: Atomic Fire

Ich ertappe mich immer wieder dabei, wenn ich ein neues Album habe und zu Hause oder im Auto probehöre, dass ich mir im Kopf schon schmissige Formulierungen zurecht lege, die ich später im Review verwenden könnte. Im Fall der neuen AMORPHIS sind das z.B. "Schweineorgel", "orientalisch", "Gänsehautmelodien", "THERION-Chöre" oder "untanzbar". Und dann stöbere ich im Archiv und stelle erstaunt fest, dass ich genau diese und andere Fragmente schon für das letzte Album "Queen of Time" verbraten habe. Hmpf.

Heißt das jetzt, dass alles beim Alten ist, dass "Halo" also exakt wie der Vorgänger klingt? Nein, das würde ich so nicht unterschreiben. Klar wären AMORPHIS schön blöd, wenn sie nicht ihre Trademarks beibehalten und gezielt einsetzen würden. Aber sowohl im großen Bild, als auch im Detail sind bei genauem Hinhören deutliche Unterschiede auszumachen. Die Rhythmusgitarre ist irgendwie ruppiger, die Breaks und Rhythmen oft sperriger, die Arrangements schräger. Dadurch ist der Gesamteindruck deutlich härter und auch weniger eingängig. Ganz schlimm in dieser Richtung unterwegs ist "Windmane", bei dem nicht einmal mein Mathe-Studium ausreicht, um den Takt mitverfolgen zu können. Auch in vielen anderen Songs sind Einzelparts auszumachen, die nicht immer angenehm ins Ohr gehen. Glücklicherweise sind oft und überall genau diejenigen wunderschönen Gitarrenmelodien und Gesangslinien in den Refrains auszumachen, die für AMORPHIS so typisch sind.

Direkt zu Beginn des Albums stehen drei Songs in diesem Stil, zu denen bereits offizielle Videos existieren und die daher sehr repräsentativ für den aktuellen Sound sind. Der Opener "Northwards" ist für meinen Geschmack der beste davon, siehe Anspieltipp. Im Mittelteil finden sich dann die etwas leichter verdaulichen Stücke wie "A New Land" (mein persönliches Highlight des Albums) oder "When Gods Came". Und ganz am Ende hat sich mit "My Name is Night" noch ein ganz besonderes Schmankerl versteckt: Eine lupenreine Ballade, veredelt durch weiblichen Gesang und ein zauberhaftes semi-verzerrtes Gitarrensolo.

Produktionstechnisch gibt es nicht auszusetzen, möglicherweise dass die Double-Bass, die Drummer Jan Rechberger erfreulich oft durchtritt, ruhig etwas knackiger abgemischt sein dürfte. Aber das ist Jammern auf hohen Niveau (noch so eine Formulierung aus dem alten Review, aber sie passt halt). AMORPHIS-Fans dürfen jedenfalls bedenkenlos zugreifen und auf eine weitere Entdeckungsreise gehen. 10 Punkte wie im Deaf Forever ist mir das gute Stück dann aber nicht wert, sorry.

Wertung: 8,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:

Amorphis - Northwards


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