Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Aktuell


Konvent - Call Down the SunKonvent - Call Down the Sun

Eckdaten:

Stil: Death-Doom
Land: Dänemark
Jahr: 2022
Label: Napalm Records

KONVENT waren für mich eine der überraschendsten Neuentdeckungen der letzten Jahre (siehe Review zum Debüt "Puritan Masochism"). Der Titel des Zweitwerks "Call Down the Sun" klingt zwar ein wenig nach INSOMNIUM, ist aber musikalisch meilenweit vom leichtverdaulichen Nordlicht-DM entfernt. Und das ist auch gut so.

Da ich nach wie vor im Bereich Death-Doom komplett ungebildet bin, kann ich KONVENT nur mit ihnen selbst vergleichen. Und da lässt sich zunächst festhalten, dass sich an der Grundsubstanz des Sounds kaum etwas geändert hat. Auch das ist gut so. Zähflüssig, hypnotisch und tonnenschwer sind so die ersten Vokabeln, die einem zur Beschreibung in den Sinn kommen, wobei sich das "hypnotisch" vor allem auf die Melodien und (Dis-)Harmonien der Gitarrenarbeit bezieht. Der unmenschliche Gesang von Frontfrau Rikke ist ein weiteres Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal, wobei ich meine, dass sie die Extreme noch etwas weiter auslotet als auf "Puritan Masochism". In "Grains", welches als Vorab-Video auf YT veröffentlich wurde, ist das in der Tat etwas over-the-top, aber das ist Geschmackssache.

Womit wir zum Songwriting kommen. Hier sehe ich die deutlichsten Unterschiede - bzw. Verbesserungen. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter und eine essenzielle Funktion im Albumkontext. Die Highlights sind dabei am Ende geballt. Nach einem kurzen Instrumental folgt das mächtige "Never Rest", das super-eingängige "Pipe Dreams" (siehe Anspieltipp) und der finale Track "Harena", bei dem wir nicht nur Streichereinsätze, sondern auch endlich mal ein lupenreines Gitarrensolo zu hören bekommen. Ein fantastischer Abschluss, der auch die schöngeistige TIAMAT/MY DYING BRIDE-Fraktion ansprechen dürfte.

Insgesamt eine tolle Weiterentwicklung einer einzigartigen Band. Und - ja genau - auch das ist gut so.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook

Anspieltipp:


Amorphis - HaloAmorphis - Halo

Eckdaten:

Stil: Progressive/Folk/Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2022
Label: Atomic Fire

Ich ertappe mich immer wieder dabei, wenn ich ein neues Album habe und zu Hause oder im Auto probehöre, dass ich mir im Kopf schon schmissige Formulierungen zurecht lege, die ich später im Review verwenden könnte. Im Fall der neuen AMORPHIS sind das z.B. "Schweineorgel", "orientalisch", "Gänsehautmelodien", "THERION-Chöre" oder "untanzbar". Und dann stöbere ich im Archiv und stelle erstaunt fest, dass ich genau diese und andere Fragmente schon für das letzte Album "Queen of Time" verbraten habe. Hmpf.

Heißt das jetzt, dass alles beim Alten ist, dass "Halo" also exakt wie der Vorgänger klingt? Nein, das würde ich so nicht unterschreiben. Klar wären AMORPHIS schön blöd, wenn sie nicht ihre Trademarks beibehalten und gezielt einsetzen würden. Aber sowohl im großen Bild, als auch im Detail sind bei genauem Hinhören deutliche Unterschiede auszumachen. Die Rhythmusgitarre ist irgendwie ruppiger, die Breaks und Rhythmen oft sperriger, die Arrangements schräger. Dadurch ist der Gesamteindruck deutlich härter und auch weniger eingängig. Ganz schlimm in dieser Richtung unterwegs ist "Windmane", bei dem nicht einmal mein Mathe-Studium ausreicht, um den Takt mitverfolgen zu können. Auch in vielen anderen Songs sind Einzelparts auszumachen, die nicht immer angenehm ins Ohr gehen. Glücklicherweise sind oft und überall genau diejenigen wunderschönen Gitarrenmelodien und Gesangslinien in den Refrains auszumachen, die für AMORPHIS so typisch sind.

Direkt zu Beginn des Albums stehen drei Songs in diesem Stil, zu denen bereits offizielle Videos existieren und die daher sehr repräsentativ für den aktuellen Sound sind. Der Opener "Northwards" ist für meinen Geschmack der beste davon, siehe Anspieltipp. Im Mittelteil finden sich dann die etwas leichter verdaulichen Stücke wie "A New Land" (mein persönliches Highlight des Albums) oder "When Gods Came". Und ganz am Ende hat sich mit "My Name is Night" noch ein ganz besonderes Schmankerl versteckt: Eine lupenreine Ballade, veredelt durch weiblichen Gesang und ein zauberhaftes semi-verzerrtes Gitarrensolo.

Produktionstechnisch gibt es nicht auszusetzen, möglicherweise dass die Double-Bass, die Drummer Jan Rechberger erfreulich oft durchtritt, ruhig etwas knackiger abgemischt sein dürfte. Aber das ist Jammern auf hohen Niveau (noch so eine Formulierung aus dem alten Review, aber sie passt halt). AMORPHIS-Fans dürfen jedenfalls bedenkenlos zugreifen und auf eine weitere Entdeckungsreise gehen. 10 Punkte wie im Deaf Forever ist mir das gute Stück dann aber nicht wert, sorry.

Wertung: 8,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:

Amorphis - Northwards


Hypocrisy - WorshipHypocrisy - Worship

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2021
Label: Nuclear Blast Records

Spätestens seit dem legendären '98er Auftritt in Wacken, den ich live miterleben durfte, haben HYPOCRISY einen Stein bei mir im Brett, obwohl sie nie zu den ganz großen (Vier) des schwedischen Death Metals zählten (Okay, sagen wir zu den großen Sechs). Viel Zeit haben sie sich gelassen seit dem letzten Album, und die Qualität nach den Glanzzeiten von "The Fourth Dimension" bis "Hypocrisy" war durchaus schwankend, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Ähnlich wechselhaft verhält es sich auch mit "Worship". Der Auftakt ist dabei mehr als fulminant. Der schnelle Opener und Titeltrack zeigt Meister Tägtgren und seine Mannschaft in bester Spiellaune und voller Kreativität. Vor allem: es wird endlich wieder gegrowlt! "Chemical Whore", welches schon sehr früh als Video veröffentlicht wurde und ob seiner Thematik einige kontroverse Diskussionen auslöste, geht in die Richtung melodisch-harmonischer Stampfer, also genau die Kategorie, in der HYPOCRISY am stärksten sind, wenn man an Hits der Marke "Roswell 47" oder "A Coming Race" zurück denkt.

Danach kommt erstmal die Ernüchterung. "Greedy Bastards" ist langweiliges Füllmaterial, und "Dead World" ist exakt der neumodische Quatsch, den ich im Death Metal überhaupt nicht gebrauchen kann. Zum Glück pendelt das Qualitätslevel in der zweiten Albumshälfte wieder in die richtige Richtung und bietet typisches HYPOCRISY-Material aller Schattierungen. Mein persönliches Highlight ist "Children of the Gray", welches vom Grundaufbau (und sogar von der Hook) "Chemical Whore" sehr ähnelt, für sich betrachtet aber der bessere Song ist. An der Produktion gibt es natürlich nix zu meckern. Der markante Abyss-Sound passt halt zu HYPOCRISY, aber eben auch nur zu HYPOCRISY.

Insgesamt ist "Worship" ein ordentliches, in Teilen sogar richtig gutes HYPOCRISY-Album, das trotz seiner Ausfälle genügend Material bietet, um die Live-Setlists zu bereichern.

Wertung: 8 / 10

Band-Kontakt: Facebook

Anspieltipp:

Nach oben


Grisly - Salting the EarthGrisly - Salting the Earth

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2021
Label: Xtreem Music

Man mag ja von Rogga Johansson halten was man will. Einerseits läuft er zwar schon irgendwie unter dem Begriff "relevant". Die Liste an Bands, Ex-Bands und Projekten ist jedenfalls längst komplett unübersichtlich geworden. Für meinen Geschmack ist das alles aber "mehr Masse als Klasse". Ich glaube, die einzige Veröffentlichung von und mit ihm, die ich physisch in meiner Sammlung stehen habe, ist eine CD von PAGANIZER, die ich seinerzeit sogar recht gut fand. Bei GRISLY arbeitet Rogga wiederum mit Ex-PAGANIZER-Bassist Dennis Blomberg zusammen, wobei "Salting the Earth" bereits das Zweitwerk unter diesem Namen ist.

Kommen wir zu den musikalischen Qualitäten, die durchaus vorhanden sind. Klar, die Grundlage ist typisch schwedische Hausmannskost, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Die HM2-verzerrten Gitarren braten schön schmutzig, MAIDEN-Soli und EDGE OF SANITY Melodien sorgen für Farbtupfer. Und der Gesang ist mehr als ordentlich, was auch auf die gesamte Produktion zutrifft. Das Songwriting ist oft schön geradeaus und auf den Punkt gebracht, wie z.B. im Einstiegs-Doppelpack "By Inferno's Light" / "Dying Like Dogs in Winter" und beim Albumhighlight "Wickedness that Lurks Within" (siehe Anspieltipp). Teilweise geht mir persönlich aber die stumpfe Rhythmik gegen den Strich ("Mutilator"). Bands wie LIK, die ja im exakt gleichen Fahrwasser navigieren, haben da einfach deutlich mehr auf dem Kasten, wenn es um Variation, Identität und Kreativität geht. Ein interessantes Ausrufezeichen ist noch das halbakustische, völlig entspannte "Souls Last Caress" am Ende des Albums, welches flüchtig an THERION erinnert.

Insgesamt ragt "Salting the Earth" im Universe-of-Mittelmäßigkeit des Rogga Johansson tatsächlich positiv heraus (so wie die Hand auf dem lässigen Coverartwork). Trotzdem muss man ehrlicherweise festhalten, dass angesichts der Kürze des Spaßes, der gerade mal an der 30-Minuten-Marke kratzt und viel Füllmaterial sowie Ausschuss enthält, die Substanz immer noch arg schwach auf der Brust ist.

Wertung: 8 / 10

Download: Bandcamp

Anspieltipp:

Nach oben