Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Aktuell


Konvent - Puritan MasochismKonvent - Puritan Masochism

Eckdaten:

Stil: Death-Doom
Land: Dänemark
Jahr: 2020
Label: Napalm Records

"Puritan Masochism" ist das Debüt-Album von vier Däninnen, die schon seit ein paar Jährchen aktiv sind und bereits mit ihrem Demo und diversen Festival-Auftritten auf sich aufmerksam machten. Zugegeben, Death-Doom ist jetzt nicht unbedingt meine bevorzugte Baustelle und auch nichts, wo ich mich sonderlich gut drin auskenne. Aber das Review in der letzten Ausgabe des DEAF FOREVER hat mich neugierig gemacht. Und der erste Eindruck war schlicht umwerfend. So einfach geht das manchmal.

Der Opener und Titeltrack ist der perfekte Einstieg, da hier bereits sämtliche Qualitätsmerkmale des Bandsounds zum Tragen kommen. Da gesellen sich BOLT THROWER-mäßige Walzriffs ("IVth Crusade"-Assoziationen) zu unmenschlichen Growls und gezielt dosierten Schreien. Drummerin Julie ignoriert weitgehend ihre Hi-Hat und kesselt stattdessen mit stoischer Unnachgiebigkeit auf einem fetten Crash-Becken. Auf Gitarrensoli wird ebenfalls weitgehend verzichtet, aber die eingängigen, melancholischen Melodien sorgen für die nötige Abwechslung und haben immer einen hohen Wiedererkennungswert. Eingebettet ist das Ganze in einen wunderbar warmen und natürlichen Sound. Highlights in punkto Songwriting sind das bereits erwähnte Titelstück und das zweigeteilte "Ropes" am Ende des Albums.

Wie gesagt, ich habe innerhalb dieses Subgenres nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten und kann neben BOLT THROWER höchstens alte ASPHYX oder CROWBAR (gerade was die Grundemotionalität betrifft) als Referenzen nennen. KONVENT sind für mich sozusagen die 'Entdeckung der Langsamkeit' und bieten einen Hörgenuss, der mir auch unabhängig vom Exoten- und Frauenbonus mal mindestens einen Punkt mehr Wert ist als dem DEAF FOREVER.

Wertung: 8,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook

Anspieltipp:


Revel in Flesh - The Hour of the AvengerRevel in Flesh - The Hour of the Avenger

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Label: Waranthem

Die Band groß vorstellen muss man, glaube ich, nicht mehr. REVEL IN FLESH gehören zu den wichtigsten und beständigsten heimischen Vertretern ihrer Zunft und haben bei mir insbesondere durch ihre sympathische Live-Präsenz einen Stein im Brett. Und auch auf Album Nummer 5 ist die DM-Welt in bester Ordnung, so viel sei vorweg genommen.

Der Melodieanteil auf "The Hour of the Avenger" wurde im Vergleich zu den Vorgängern noch einmal erhöht, was besonders den getrageneren Songs sehr gut steht. Das hört man z.B. im großartigen "Sky Burial" oder dem BOLT THROWER-Gedenktrack "The Nightbreed". Natürlich gibt es auch genügend geradliniges Uptempo-Geballer wie "Deathblow" oder den einleitenden Titelsong, und mit dem EDGE OF SANITY-artigen "The Nihilistic Nothingness" hat man eine saucoole Überraschung im Gepäck. Warum dann "nur" 9 Punkte? Abzüge gibt es von meiner Seite für drei Aspekte, an denen die Band selbst aber zugegebenermaßen komplett unschuldig ist. Erstens: Die Produktion ist druckvoll und klar, allerdings hat Meister Dan Swanö beim Glattschleifen des Gitarrensounds etwas übertrieben. "Früher war mehr Dreck", um mal Loriot in leicht abgewandelter Form zu zitieren. Zweitens: REVEL IN FLESH haben bekanntermaßen ein Faible für originelle Cover-Versionen. "Rock Out" von MOTÖRHEAD finde ich aber von der Grundsubstanz her zu langweilig, als dass mich die DM-Variante vom Hocker haut. Und drittens habe ich das Album parallel zur - ähnlich gelagerten - neuen SENTIENT HORROR (siehe Review) gekauft und gehört, und im direkten Vergleich haben die Amis dann doch die Nase vorn. Sorry.

Nichtsdestotrotz ist "The Hour of the Avenger" ein hochklassiges und uneingeschränkt empfehlenswertes Album, bei dem sowohl Fans als auch Interessierte, die einen repräsentativen ersten Eindruck wünschen, auf ihre Kosten kommen.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Band-Website

Anspieltipp:


Sentient Horror - Morbid RealmsSentient Horror - Morbid Realms

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: USA
Jahr: 2019
Label: Testimony / Redefining Darkness

Das zweite vollständige Album der Amis knüpft nahtlos an die starke EP "The Crypts Below" aus dem letzten Jahr an. Da hatte ich ja die Frage in den Raum gestellt, ob man dieses Niveau auch auf Albumlänge halten kann. Und diese Frage beantworten SENTIENT HORROR nun mit einem blutigen "Fuck, yeah!"

Nach wie vor wühlen SENTIENT HORROR knietief im alten Schwedendeath, wobei einem wie gewohnt vor allem DISMEMBER und GRAVE in den Sinn kommen, und graben dabei wiederum dessen eigene Wurzeln (AUTOPSY, DEATH) aus. Im Vergleich zu den bisherigen Outputs fällt auf, dass die Gitarrensoli spürbar ausgefeilter sind und dass man im Bereich Songwriting erneut eine Schüppe draufgelegt hat. Immer wieder gibt es überraschende Breaks, auflockernde Grooves, und trotzdem bleibt das ganze zwingend und stets eingängig. Es ist fast schon unverschämt, mit welcher Leichtigkeit sich die Gitarristen diese saucoolen Riffs und fluffigen Melodien aus dem Handgelenk schütteln. Highlights sind der wegweisende Opener "Call of Ancient Gods", "Obsessive Killing Disorder" mit seinem unwiderstehlichen Mittelteil und nicht zu vergessen der alles vernichtende Titeltrack. Zusammengefasst: Ein Best of Oldschool-DM Paket, gefüllt mit packendem Songmaterial und vielen schönen Details, zusammengeschnürt von Meister Dan Swanö. Was will man eigentlich mehr?

"Kumpel-Death-Metal", "Schönwetter-Death-Metal", "Gute-Laune-Death-Metal", das sind einige der Attribute, die man mitunter in den Reviews oder den Diskussionsforen liest, und zwar oft abwertend gemeint. Egal. Sowas ist halt zufällig genau meine Kragenweite, und mit "Morbid Realms" platzieren sich SENTIENT HORROR direkt neben den schwedischen LIK ganz oben auf meinem Siegertreppchen für diesen Stil.

Wertung: 9,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Insomnium - Heart Like a GraveInsomnium - Heart Like a Grave

Eckdaten:

Stil: Melodic Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2019
Label: Century Media Records

Nach dem bahnbrechenden Meisterwerk "Winter's Gate" (siehe Review) stellte sich für INSOMNIUM die schwierige Frage, wie denn ein adäquater Nachfolger aussehen würde. Die Antwort trägt den Titel "Heart Like a Grave" und fällt, um das vorweg zu nehmen, mehr als überzeugend aus. Mein Review kommt mit etwas Verspätung, weil ich mir erst darüber klar werden musste, wie gut es eigentlich ist.

Prinzipiell ist "Heart Like a Grave" wieder ein "ganz normales" Album mit insgesamt 10 Tracks, einschließlich eines Intros, welches wie schon auf früheren Alben Gesangspassagen enthält und fast schon als eigenständiger Song durchgeht, und eines Instrumentals zum Abschluss. Der Reifeprozess, den INSOMNIUM mit "Winter's Gate" durchlaufen haben, hat aber eindeutig Spuren hinterlassen. Denn die einzelnen Songs haben nicht nur ihren eigenen Charakter, sondern bauen ganz natürlich aufeinander auf, so dass ein stimmiger und wunderbar Flow entsteht. Dabei wird viel öfters als früher auch mal das Tempo angezogen, was für zusätzliche Abwechslung sorgt. Die stärksten Momente finden sich aber in den getragenen, melancholischen Parts, in denen das warme, unaufdringliche Growling von Niilo Sevänen mit diesen typischen, atemberaubend schönen Gitarrenmelodien unterlegt wird. Stellvertretend seien hier "And Bells they Toll", "Twilight Trails" und der alles überragende Titelsong genannt, der mit seiner Schwermut, seiner Atmosphäre und seiner Epik genau die Trademarks enthält, die INSOMNIUM auszeichnen.

"Heart Like a Grave" ist insgesamt mehr als nur ein würdiger Nachfolger von "Winter's Gate". Und wer heute behauptet, dass INSOMNIUM immer noch das leidige Stigma der Zweitklassigkeit anhaftet, der hat von Melodic Death Metal keine Ahnung.

Wertung: 9,5 / 10

Band-Kontakt: Offizielle Website

Anspieltipp:


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