
"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)
Amorphis - BorderlandStil: Progressive/Folk/Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2025
Label: Reigning Phoenix Music
"Borderland" ist nun schon eine ganze Weile draußen. Aber es hat auch eine ganze Weile gedauert, mit dem Album warm zu werden. Was allerdings nicht daran liegt, dass die Songs nicht eingängig oder nur schwer zugänglich wären. Im Gegenteil. Die Beschreibungen, die man in der Fachpresse und Online-Reviews lesen kann, reichen von "typisch-melodisch" über "tanzbar" bis hin zu "kommerziell". Und genau an diesen letzten Aspekt, der tatsächlich nicht zu überhören ist, muss man sich erst gewöhnen.
Fangen wir zunächst mal mit der Haben-Seite an. Die beiden Eröffnungstracks "Circle" und "Bones" sind ganz normale Qualitätsware im Stil der vorherigen Alben auch. Was das Wechselspiel zwischen tiefen Growls und gefühlvollem Klargesang anbelangt, gehört Tomi Joutsen immer noch zu den absoluten Top-Vertretern seiner Zunft. In Kombination mit den traumhaften Gitarrenparts entstehen dann manchmal diese ganz großartigen AMORPHIS-Momente, so wie im alles überragenden Jahrtausendsong "Tempest". Schwierig wird das ganze dann, wenn stumpfe Rhythmik und klebrig-süße Elektrosounds Einzug halten. Tracks wie "Dancing Shadows" klingen weder wie ein Sommerabend an einem finnischen See, noch nach siffigem Death-Metal-Schuppen im Untergrund, sondern nach Massen von Menschen, die sich im Stroboskoplicht wiegen und ihr Polohemd geraderücken.
Der Songtitel "Light and Shadow" ist somit ein treffendes Fazit für das Album. Man muss AMORPHIS natürlich auch zugute halten, dass sie diesmal nicht auf Nummer sicher gegangen sind, sondern ein Experiment wagen, dass sich deutlich von dem bewährten Rezept abhebt. Inwieweit das einem gefällt, ist letztendlich reine Geschmackssache.
Wertung: 8 / 10
Band-Kontakt: Facebook-Präsenz
Fragments of Unbecoming - DawnbringerStil: Melodic Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Label: Apostasy
Was den Veröffentlichungsrhythmus anbelangt, gehören FRAGMENTS OF UNBECOMING zu den Bands, die ihren Anhängern stets eine gehörige Portion Geduld abverlangen. Seit dem letzten Album "Perdition Portal" (siehe Review) sind diesmal satte 7 Jahre ins Land gegangen. Aber mit "Dawnbringer" gelingt das Kunststück, den bärenstarken Vorgänger noch einmal zu übertreffen.
Die ersten Songs des Albums überraschen zunächst mit einer ungewohnt ruppigen Note und leicht schwarzmetallischen Untertönen, die - abgesehen von den kernigen Growls - an NECROPHOBIC und NAGLFAR erinnern. Im weiteren Verlauf gibt es dann Verschnaufpausen wie z.B. das phonetisch augenzwinkernd betitelte Instrumental "The Amber Emperor" oder meinen Anspieltipp "To Everyone and None". Hier treiben einem vor allem die wunderschönen, melancholischen und fein arrangierten Gitarrenmelodien die Tränen in die Augen. Von ganz anderem Kaliber ist der Oldschool-Vorschlaghammer "In Times of Doom". Chuck Schuldiner lässt grüßen. Und mit "The Art of Coming Apart" sowie der Bandhymne "Fragments of Unbecoming" gibt es abschließend noch zwei exquisit ausgewählte Bonus-Tracks im aktuellen Klanggewand.
Wenn man dem Album bzw. der Band etwas vorwerfen möchte, dann allenfalls, dass es keinen wirklich repräsentativen Einzelsong gibt. Dafür ist man stilistisch, technisch und kompositorisch schlicht zu breit aufgestellt. Anders formuliert: FRAGMENTS OF UNBECOMING demonstrieren hier - wieder einmal - eindrucksvoll, wie abwechslungsreich und vielseitig Death Metal als Genre sein kann. Und das ist wohl das beste Lob, das man aussprechen kann. Pflichtkauf, und schon jetzt ein Anwärter auf den Titel "DM-Highlight des Jahres".
Wertung: 9,5 / 10
Band-Kontakt: Facebook-Präsenz
Lik - NecroStil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2025
Label: Metal Blade
Lang haben sie sich Zeit gelassen, die unangefochtenen Meister des HM2-Retro-Schwedendeath. Und ich muss gestehen, dass auch ich mich etwas schwergetan habe, dieses Review zu verfassen. Und das, obwohl im Grunde alles genau so ist, wie es sein soll.
Der Opener "Deceased" überrascht zunächst mit lässigen Death'n'Roll Vibes, bevor er richtig Fahrt aufnimmt. "War Praise" (Anspieltipp) legt sogar noch einen Gang zu und präsentiert die Band in allerbester Spiellaune. Zwischendurch wird das Tempo wieder gedrosselt, wie im stampfenden "They" oder dem bedrohlich-schleppenden "Morgue Rats". Erwähnenswert ist der - selbst für LIK-Verhältnisse - überragend gute Sound des gesamten Albums, der vor allem die Gitarren wunderbar in Szene setzt und Tomas Akviks garstiges Geröchel über Zombies, Krieg und Körperflüssigkeiten erstaunlich transparent aus den Boxen siffen lässt.
Ein paar Schwachpunkte muss ich leider in punkto Songwriting bemängeln. Gerade die langsameren, getragenen Tracks werden mehrfach unnötig in die Länge gezogen. Und eine uninspiriertere Akkordfolge als im Pre-Chorus von "Fields of Death" habe ich selten gehört. Am besten klingen LIK nach wie vor, wenn sie so wie DISMEMBER klingen, wenn DISMEMBER wie IRON MAIDEN klingen. Und glücklicherweise gibt es von diesem Kaliber auf dem Album immer noch genug Futter, um Fans der Band und des Genres ein seliges Grinsen ins Gesicht zu zaubern.
Fazit: Meisterwerk? Nein nicht ganz. Kaufempfehlung? Selbstverständlich ja!
Wertung: 8,5 / 10
Band-Kontakt: Facebook-Präsenz