Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Aktuell


Demonical - World DominationDemonical - World Domination

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2020
Label: Agonia

Welch angenehme Überraschung! Nach dem keinesfalls enttäuschenden, aber auch nicht überragenden Vorgänger (siehe Review) und dem immer noch schwer im Magen liegenden CENTINEX-Desaster (siehe Review) habe ich nicht unbedingt mit einem solchen Qualitätsprodukt aus dem Hause Schulmann gerechnet. "World Domination" macht sehr vieles richtig, und einiges sogar richtig gut.

Auch bei DEMONICAL hat sich das Besetzungskarussell gedreht. Besonders wichtig für meine Ohren ist die Neubesetzung am Mikro mit Christofer Säterdal. Der zweite ganz große Pluspunkt des Albums ist das Songwriting. Die Riffs strahlen Spielfreude pur aus, und es gibt eingängige Refrains und knackige Breaks am laufenden Band. Dabei lassen sich die Songs, um es in den Worten von Clint Eastwood zu sagen, in zwei Kategorien einteilen: Die Mehrheit fällt in die Schublade "schnell und geradeaus" wie der Opener "My Kingdom Done" (DISMEMBER lassen grüßen), das punkige "Hellfire Rain" (uralte ENTOMBED lassen grüßen) oder der nackenbrechende Rausschmeißer "Calescent Punishment". Die andere Variante sei mit "getragen und episch" betitelt (allen voran "Aeons of Death" und "Victorious") und dürfte auch bei der AMON AMARTH Zielgruppe für hochgereckte Fäuste sorgen. Eine Sonderrolle nimmt hier noch das polarisierende "Slipping Apart" ein, das in den online-Reviews und YouTube-Kommentaren für Gesprächsstoff sorgt. Meiner bescheidenen Meinung nach ist die Idee, Schwedendeath mit balladesken Akustik-Parts zu verbinden, weder verwerflich noch völlig neu, sondern in diesem Fall sogar ganz hervorragend umgesetzt. Allerdings ist der Gesang von Gastsänger Nils Patrik Johansson für meinen Geschmack viel zu gekünstelt und zerbrechlich ausgefallen. Man kann nur erahnen, wie großartig die Nummer mit einer Stimme vom Kaliber Jake Rogers (VISIGOTH) oder Markus Becker (ATLANTEAN CODEX) hätte klingen können. Ein gelungenes Experiment trotzdem, gar keine Frage.

Ich werde wohl auf meine alten Tage nicht mehr verstehen, warum Mastermind Martin Schulman seine Kreativität immer noch auf zwei getrennte, aber in Wirklichkeit ziemlich ähnlich gestrickte Bands verteilt. "World Domination" gehört jedenfalls durchaus zum Besten, was er anzubieten hat.

Wertung: 8,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Dark Tranquillity - MomentDark Tranquillity - Moment

Eckdaten:

Stil: Göteborg-Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2020
Label: Century Media

Viel Zeit haben sich unsere schwedischen Freunde seit dem letzten Album "Atoma" (siehe Review) gelassen. Eine Menge ist seitdem passiert, und damit spiele ich nicht auf das große "C" an, sondern auf den Weggang von Gründungsmitglied Niklas Sundin, der aber zumindest bei der Gestaltung der visuellen Konzepte auch weiterhin mitwirkt. Dementsprechend war zu erwarten, dass vor allem die beiden nicht mehr ganz so neuen Neuzugänge an den Saiten für einige Veränderungen sorgen würden.

Glücklicherweise darf hier sofort Entwarnung gegeben werden. Christopher Amott und Johan Reinholdz gehören ja schon lange zum live-Lineup und wissen ganz genau, was sie tun. In der Tat wird den Gitarrensoli viel Raum gegeben, und das Zusammenwirken von harten Hintergrundriffs und den typischen, verspielten Melodien funktioniert ganz hervorragend. Die Songbeispiele, die von diesem Stilmerkmal geprägt sind, sind auch gleichzeitig die Albumhighlights, als da wären "Identical to None" (Anspieltipp, siehe Video unten), das ungewohnt fröhliche "Empires Lost to Time" sowie "Silence as a Force", welches als Bonus-Track viel zu stiefmütterlich wegkommt. Aber das Album hat noch viel mehr zu bieten und deckt im Grunde fast die gesamte Breite des Bandsounds ab "Projector" ab. Speziell Mikael Stanne bekommt im Vergleich zum Vorgängeralbum gefühlt noch etwas mehr Raum, die melancholischen Stücke wie "Remain in the Unknown" mit seiner bekanntermaßen unfassbaren Clean-Stimme zu bereichern. Trotzdem reicht das Gesamtpaket für meinen persönlichen Geschmack nicht ganz an "Atoma" heran - aus dem ganz einfachen Grund, dass Drummer Aders Jivarp diesmal keinem einzigen Track ein durchgängig geradeauses (und auf der "2" betontes) Schwedenbeat-Fundament gönnt. Mag zwar nur eine Kleinigkeit sein, ist aber eben auch eine Facette des DT-Stils, die hier leider komplett vergessen wurde.

Nichtsdestotrotz ist "Moment" ein weiteres starkes, erwachsenes und gleichermaßen vielseitiges wie homogenes Album geworden, mit dem Fans der Spätphase zweifellos sehr viel Freude haben werden.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook

Anspieltipp:


Lik - Misanthropic BreedLik - Misanthropic Breed

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2020
Label: Metal Blade

Auch auf Album Nummer drei hat sich bei LIK nicht viel verändert. Wieso auch? Es gibt keine andere Band, die den guten alten Sound der frühen 90er derart authentisch zelebriert und dabei trotzdem frisch und hungrig klingt.

Bereits der doppelte Eröffnungsschlag bestehend aus "The Weird" und "Decay" (Anspieltipp!), beides urtypisch melodische Uptempo-Kracher, zeigt unmissverständlich, wo es lang geht. Das folgende "Funeral Anthem" überzeugt durch mitreißende Grooves und Gitarrenriffs, wobei das Grundtempo gar an AMON AMARTH erinnert. Selbstverständlich gibt es auch die beliebten IRON MAIDEN Gedenk-Soli, massenhaft DISMEMBER-Zitate und Verbeugungen vor anderen Bands - dies übrigens nicht nur in den Riffs, sondern auch in Songtiteln wie "Female Fatal to the Flesh" und den Lyrics, die diesmal dankenswerterweise auch abgedruckt mitgeliefert werden. Ein echtes Highlight ist noch das epische "Becoming" am Albumsende. Abschließend sei noch angemerkt, dass bei mehreren Songs ein paar atmosphärische Samples eingesetzt werden und dass die Produktion das famose Songmaterial außergewöhnlich gut in Szene setzt.

Man kann es drehen und wenden, wie man will. LIK sind im Grunde herrlich unoriginell, kreieren aber mit all den bekannten Zutaten immer wieder einen neuen Ohrenschmaus, von dem man nicht genug bekommen kann. Einfach geil!

Wertung: 9,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Ensiferum - ThalassicEnsiferum - Thalassic

Eckdaten:

Stil: Viking/Folk Metal
Land: Finnland
Jahr: 2020
Label: Metal Blade

Auf Album Nr. 8 gibt es ein paar Neuerungen zu verzeichnen. Am auffälligsten ist natürlich der neue fünfte Mann, der auf den Namen Pekka Montin hört und als Keyboarder sowie Clean-Sänger firmiert. Außerdem haben ENSIFERUM zum ersten Mal ein echtes Konzeptalbum geschrieben. Titel, Cover und Songnamen deuten es an - es geht um das Meer samt seinen Mythen und Geschichten. Obwohl sich dieser rote Faden durch das gesamte Album zieht, hat jeder Einzelsong seinen eigenen Charakter. Daher lohnt sich hier eine Track-by-Track Analyse. Los geht's.

Wie ist nun das Gesamtpaket zu bewerten? ENSIFERUM haben tatsächlich das Kunststück fertig gebracht, sich zu einem gewissen Grad neu zu erfinden und dabei trotzdem ihrem Stil 100%ig treu zu bleiben. Mehrfach gibt es Referenzen zu den älteren Glanztaten der Band, dabei mehr Folk, aber auch mehr klassischen Heavy Metal. Gleichzeitig ist das Songwriting knackiger und frischer denn je, und man kann gar nicht oft genug hervorheben, welche Bereicherung Pekka Montin für die Band darstellt. Auf der Suche nach einem Keyboarder, der nebenbei ein paar Backing-Vocals beisteuern kann, hat man stattdessen nun einen echten zweiten Leadsänger gefunden, der zufälligerweise auch Keyboard spielt. Was für ein Glücksgriff! Wenn der Mann jetzt auch noch komponieren darf ... Dieser Gedanke ist dann auch das einzige, was mich vom Zücken einer höheren Note abhält: Man erahnt, dass ENSIFERUM ihr kreatives Potential noch nicht gänzlich ausgeschöpft haben.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Band Homepage

Anspieltipp:


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