Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Shylmagoghnar - ConvergenceShylmagoghnar - Convergence

Eckdaten:

Stil: Melodischer Death/Black Metal
Land: Niederlande
Jahr: 2023
Label: Napalm Records

Auch wenn ein neues SHYLMAGOGHNAR-Album immer ein erfreuliches Ereignis ist, fangen wir direkt mit einer schlechten Nachricht an: Die Band ist zwischenzeitlich zu einem Solo-Projekt geschrumpft, da sich Sänger Skirge aus privaten Gründen längerfristig ausgeklinkt hat. Aber keine Sorge - Mastermind Nimblkorg ist mit seinen variablen Vocals mehr als nur ein Lückenfüller und konnte sich, wie er in Interviews berichtete, beim Songwriting freier und spontaner austoben als je zuvor. Das hört man dem Album auch an, welches den finalen Teil einer thematischen Trilogie darstellt.

In Punkto musikalischer Ausrichtung sind die altbekannten und liebgewonnenen Trademarks natürlich immer noch präsent. Der Albumtitel "Convergence" ist trotzdem dahingehend irreführend, dass einige Passagen stilistisch noch breiter aufgestellt und abwechslungsreicher sind als auf den Vorgängern. Insofern lohnt sich, trotz des konzeptuellen Ansatzes, ein genauer Blick auf die Charakteristika der einzelnen Songs.

  1. Das wunderschön betitelte "I Hear the Mountain Weep" ist ein fast 11-minütiges Instrumental und steht ganz in der Tradition von "I am the Abyss" vom Debüt. Ein spannungsvoller Aufbau, fantastische Melodien, der unnachahmliche Gitarrensound und fließende Übergänge machen diesen Track zu einem ersten glasklaren Highlight des Albums. Grandioser Auftakt.

  2. "Follow the River" war schon im Vorfeld durch ein Video bekannt (siehe Anspieltipp) und fügt sich harmonisch in den Albumkontext ein. Völlig repräsentativer und facettenreicher Song. Besonderes Augenmerk lege man auf die Vocals, die teils keifend, teils growlend, im Mittelteil gar flüsternd die Stimmung der einzelnen Passagen begleiten oder tragen.

  3. Damit nicht genug, weiter geht es mit meinem absoluten Lieblingssong vom Album. "Threshold" überrascht mit einem ruppigen Beginn und furiosen Gitarren. Mit den Ideen, die hier in einem einzigen Track stecken würden Bands wie RUNNING WILD zwei Alben aufblähen. A propos: Im Mittelteil wird die Rhythmik durch ein paar brilliante Breaks in Richtung von lupenreinem Heavy Metal gelenkt. Unfassbar gut komponiert, arrangiert und präsentiert. Macht irre Spaß!

  4. "Strata" kombiniert ebenfalls unterschiedlichste Elemente auf ungewöhnliche Weise. In diesem Fall eine hochmelodische Eröffnung mit geradezu fröhlichen Gitarrenmelodien und einem oldschool-Thrashteil zur Halbzeit. Auch das funktioniert ganz hervorragend.

  5. Jetzt wird es schwierig. Instrumentals haben ja eine Tradition bei SHYLMAGOGHNAR. Man denke da an das gefühlvolle "The Chosen Path" vom zweiten Album oder die bereits erwähnten Opener. "Gardens of the Erased" geht einen völlig anderen Weg. Gesampelte Drums (zumindest klingt es so), düstersphärische Keyboardklänge, kaum Dynamik. Das mag Freunde von Ambient-Sounds und 80er Dark Wave erfreuen. Für mich ist dieses Stück leider ein Fremdkörper auf dem Album.

  6. "Egregore" ist dahingehend wie das Erwachen aus einem schlechten Traum - was vermutlich Absicht ist. Klassisches, SHYLMAGOGHNAR-Material im epischen 6/8-Modus.

  7. Auch "Infinion", ein weiteres Instrumental, war vorher bereits bekannt. Hier tobt sich Nimblkorg zunächst in bester Funk-Manier am Bass aus. Die modern anmutenden Rhythmen werden dann im späteren Teil des Tracks zugunsten von versöhnlicheren Klängen und Folk-Melodien aufgegeben. Auch das ergibt in der Summe einen ausgefallenen Song, der aber nach einiger Gewöhnung durchaus zu gefallen weiß.

  8. "Convergence" ist als Titelsong fast ein wenig kurz geraten. Besonders gut gefällt mir hier der präzise akzentuierte Gesang. Und ich meine fast, irgendwo die geliebte Posaune herausgehört zu haben. Kann aber auch ein Synth-Effekt gewesen sein. Das Booklet spricht eher für die zweite Option.

  9. "The Sea" ist am Ende nochmal eine überragende Demonstration an Kreativität und Spielfreude und enthält einige der schönsten Melodien auf dem ganzen Album. Einfach traumhaft. Hier ist der flüsternde Sprechgesang für meinen Geschmack nicht die optimale Lösung. Ich hätte, glaube ich, lieber eine kräftige Klarstimme - eventuell eine weibliche Gastsängerin - ins Boot geholt. Oder den Song komplett instrumental gehalten und die Violine die Geschichte erzählen lassen.

  10. Zum Schluss haben wir mit "Becoming" noch ein eher unspektakuläres Outro, das flüchtig an 8-Bit Computerspiel-Soundtracks erinnert.

  11. Insgesamt ist "Convergence" eine äußerst spannende, würdige und herausfordernde Angelegenheit, die trotzdem - oder gerade deswegen - genau das ist, was man von SHYLMAGOGHNAR haben möchte. Es ist Ausdruck einer einzigartigen musikalischen Vision, einschließlich aller Ecken und Kanten. Oder, um es mit den Worten aus dem Titelsong des Vorgängers zu zitieren: "Striving for perfection I turned the very stars. Still it’s not enough – forever unfulfilled." Und genau das macht den eigentlichen Reiz aus, dass eben Perfektion vielleicht gar nicht das erstrebenswerte Ziel ist. Denn das Leben ist auch nicht perfekt.

    Wertung: 9,5 / 10

    Band-Kontakt: Facebook

    Anspieltipp:

    SHYLMAGOGHNAR - Follow The River (Official Video)

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