Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Aktuell


Shylmagoghnar - TransienceShylmagoghnar - Transience

Eckdaten:

Stil: Melodischer Death/Black Metal
Land: Niederlande
Jahr: 2018
Label: Napalm Records

Endlich ist es da. SHYLMAGOGHNAR haben uns ja schon während der Wartezeit auf das neue Album regelmäßig mit kleinen Sniplets von den Aufnahmesessions und Vorab-Videos versorgt und uns dabei den Mund ganz schön wässrig gemacht. Und, um es direkt vorweg zu nehmen, sie haben nicht zu viel versprochen und mit "Transience" ein absolutes Meisterwerk abgeliefert.

Die beiden Visionäre aus den Niederlanden erschaffen erneut mit - oberflächlich betrachtet - einfachen Mitteln beeindruckende, vielschichtige Klangwelten und laden den Hörer ein, sich wahlweise in frostigen Winterwäldern zu verlieren ("As All must Come to Pass"), sanften Sommerregen im Gesicht zu spüren ("This Shadow of the Heart") oder einen spektakulären Sonnenuntergang von einem Berggipfel aus zu genießen ("Life"). Die meist überlangen Songs, mehrfach rein instrumental gehalten, leben von erhabenen, wunderschönen Melodien und jenem einzigartigen Gespür für Atmosphäre. Diese Qualitäten wurden im direkten Vergleich zum Debüt "Emergence" (siehe Review) weiter ausgebaut und verfeinert. Dazu gehören auch Details wie die liebevollen Bassläufe, das zerbrechliche Posaunensolo in "The Chosen Path" und natürlich der Raum, den die Keyboards einnehmen. Im Zusammenhang mit dem textlichen und visuellen Konzept entsteht so ein Gesamtkunstwerk, zu dem jeder Song seinen Teil beiträgt, wo jede Strophe bedeutsam ist und keine einzige Note fehlen dürfte.

SHYLMAGOGHNAR sind etwas ganz Besonderes, und ich bin mir sicher, dass sie mit einem derart genialen Album wie "Transience" und dem Support einer renommierten Plattenfirma im Rücken den Status als "Geheimtipp" hinter sich lassen und bei einem größeren Publikum Gehör finden werden. Ich gönne es ihnen jedenfalls von Herzen. Denn besser kann man, für meine Begriffe, solche Musik nicht machen.

Wertung: 10 / 10

Band-Kontakt: Facebook

Anspieltipp:


Fragments of Unbecoming - Perdition PortalFragments of Unbecoming - Perdition Portal

Eckdaten:

Stil: Melodic Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Label: Apostasy

Es soll ja tatsächlich Leute geben, die verwenden die Bezeichnung "Melodic Death Metal" als Beleidigung und haben dabei Kandidaten wie ARCH ENEMY (= "künstliche Kommerzkacke"), AMON AMARTH (= "Ballermannmucke"), oder HEAVEN SHALL BURN (= "Moment mal, Metalcore ist doch gar kein Metal...") im Blick. Glücklicherweise gibt es aber auch Bands wie FRAGMENTS OF UNBECOMING, die mit diesen Auswüchsen gar nix am Hut haben, sondern einfach nur lupenreinen DM spielen und diesen eben durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Melodien bereichern. Und daran gibt es ja nun wahrlich nichts auszusetzen, oder?

Viel Zeit haben sich die Süddeutschen seit dem letzten Output gelassen, aber das Resultat ist wirklich beeindruckend. Auf "Perdition Portal" bekommen wir genau den oben beschriebenen melodischen Death Metal serviert: Meist rasend schnell, geprägt von fantastischem Gitarrenspiel und begleitet von variablen Growls. Im Vergleich zu den früheren Alben fällt auf, dass die Band noch mehr auf eingängiges Songwriting setzt, dabei auch mal geschickt das Tempo drosselt und an vielen Stellen eine angenehme Melancholie in die Gitarrenharmonien mit einbaut (z.B. in "Towards the Leaden Sky" oder "Shadowfathers"). Im Grunde ist es aber müßig, einzelne Songs herauszupicken, da das gesamte Album von vorne bis hinten Spaß macht. Einfach klasse!

Wer mehr über FRAGMENTS OF UNBECOMING wissen möchte, dem empfehle ich noch mein Bandfeature. Das aktuelle Album ist auf jeden Fall der perfekte Einstieg.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Amorphis - Queen of TimeAmorphis - Queen of Time

Eckdaten:

Stil: Folk/Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2018
Label: Nuclear Blast

Als im Vorfeld das Video zu "The Bee" erschien, war ich zugegebenermaßen sehr skeptisch. Meine Hoffnung war, dass es sich um ein Deja-vu Erlebnis handeln würde, denn auch im Fall des saustarken Vorgängers "Under the Red Cloud" entpuppte sich der Vorab-Track "Death of a King" als nicht sehr repräsentativ und vergleichsweise schwach. Und in der Tat: Ich kann freudig Entwarnung geben.

Auffällig ist, wie experimentierfreudig die Band heute agiert und sich auch nicht scheut, gänzlich neues Terrain zu beschreiten. Die orientalischen Einflüsse werden wieder etwas mehr in den Vordergrund gerückt, ähnlich wie zu "Tuonela"-Zeiten, und auch die Keyboards erhalten spürbar mehr Raum bei der Melodieführung. Einige der Neuerungen sind sehr gelungen da songdienlich, wie z.B. die THERION-Chöre in "Message in the Amber" oder der Orchestereinsatz im flotten "Heart of the Giant". An manchen Stellen wird es für meinen Geschmack allerdings fast schon zu schräg. Der 7/4 Takt in "Daughter of Hate" beispielsweise ist völlig untanzbar, und was der merkwürdige Reibeisen-Effekt in Anneke van Giersbergens Gastvocals zu suchen hat, erschließt sich mir auch nicht ganz.

Bitte nicht falsch verstehen. Das ist wirklich Jammern auf ganz hohem Niveau. Am Stück macht das Album einfach nur selig, wobei die echten Highlights viel bescheidener arrangiert sind. Da wäre das wunderschöne, von Rückkehrer Olli-Pekka Laine komponierte "As Mountains Crumble", in dessen Mittelteil die gute alte "1000 Lakes"-Schweineorgel angeworfen wird. Allein für diesen Song lohnt sich bereits die Anschaffung der Digi-Pack Version, da er nur unter den Bonus-Track versteckt ist. Was für eine Verschwendung, eigentlich. Meine anderen Favoriten sind das grandiose "We Accursed" sowie der Pseudo-Titeltrack "The Golden Elk". Dass Tomi Joutsen immer noch spektakulär gut singt und growlt, dass Esa Holopainen ein wahrer Zauberer an der Gitarre ist, und dass AMORPHIS einen scheinbar unbegrenzten Fundus an Gänsehautmelodien auffahren, bedarf wohl keiner Erwähnung.

Wie man das Ganze nun einordnen mag, hängt auch ein wenig von der eigenen Erwartungshaltung ab. Mit Begriffen wie "Magnus Opus" (siehe Deaf Forever) oder ähnlichen Superlativen um sich zu schmeißen, finde ich etwas übertrieben. Das liegt aber nicht am Album selbst, sondern an der Qualität des Backkatalogs. Es ist fast beängstigend, mit welcher Konstanz AMORPHIS mal mindestens seit dem Einstieg von Joutsen immer wieder großartige Arbeit abliefern. In diesem Gesamtkontext ist für mich "Queen of Time" nicht mehr und nicht weniger als ein (weiteres) richtig, richtig tolles AMORPHIS-Album. Und mehr zu verlangen wäre im Grunde reine Anmaßung.

Wertung: 9 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Lik - CarnageLik - Carnage

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2018
Label: Metal Blade

Das ist wirklich krass. LIK konnten ja schon mit ihrem famosen Debüt "Mass Funeral Evocation" (siehe Review) begeistern und sind für mich von all den zahllosen HM2-Retro-Jüngern eine der besten Bands, wenn nicht sogar die beste. Und mit dem geschmackssicher betitelten Zweitwerk "Carnage" ist es ihnen tatsächlich gelungen, noch eine Schüppe draufzulegen.

Die eigentliche Meisterleistung von LIK besteht darin, dass sie nicht einfach nur den Originalsound der frühen 90er übernehmen, sondern mit unfassbarer Schlagzahl messerscharfe Riffs und grandiose Songs darin verpacken, die allesamt einen hohen Wiedererkennungswert haben. "To Kill" eröffnet den Reigen mit einer charmanten Verbeugung vor "Override of the Overture". Weiter geht es mit drei Tracks, die man bereits im Vorfeld auf YouTube bestaunen durfte, nämlich das melodisch-schnelle "Rid you of your Flesh", das ultracoole "Celebration of the Twisted" und den D-Beat-Kracher "Dr Duschanka". Im Gegensatz zum Debüt gibt es auch kein Instrumental und kein Füllmaterial, und ich widerspreche auch dem Deaf Forever-Review, in dem behauptet wurde, dass es in der zweiten Albumhälfte angeblich etwas "dünn" wird. Von wegen. Gerade "Death Cult" und "Only Death Remains Alive" stechen als gnadenlose Uptempo-Hits heraus. Der Albumflow wird geschickt aufgelockert durch "The Deranged", das mit seiner düsteren Langsamkeit in die gleiche Magengegend wie "Skin Necrosis" vom Debüt zielt und auch die eine oder andere Gitarrenpassage zitiert. Den Abschluss bildet das epische "Embrace the End", und nach knapp 37 Minuten darf man die Dauerrotation von vorn beginnen.

Leider gönnen uns LIK auch diesmal keinen Blick auf die Lyrics, so dass man sich die feinwürzigen Details ihres morbiden Humors mühsam selbst erarbeiten muss. Umso mehr gilt die uneingeschränkte Empfehlung: Kaufen, niederknien, hören, hören, hören!

Wertung: 9,5 / 10

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Anspieltipp:

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