Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"A black heart will only find beauty in darkness"
(Dissection 1995)


Aktuell


Fragments of Unbecoming - Perdition PortalFragments of Unbecoming - Perdition Portal

Eckdaten:

Stil: Melodic Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Label: Apostasy

Es soll ja tatsächlich Leute geben, die verwenden die Bezeichnung "Melodic Death Metal" als Beleidigung und haben dabei Kandidaten wie ARCH ENEMY (= "künstliche Kommerzkacke"), AMON AMARTH (= "Ballermannmucke"), oder HEAVEN SHALL BURN (= "Moment mal, Metalcore ist doch gar kein Metal...") im Blick. Glücklicherweise gibt es aber auch Bands wie FRAGMENTS OF UNBECOMING, die mit diesen Auswüchsen gar nix am Hut haben, sondern einfach nur lupenreinen DM spielen und diesen eben durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Melodien bereichern. Und daran gibt es ja nun wahrlich nichts auszusetzen, oder?

Viel Zeit haben sich die Süddeutschen seit dem letzten Output gelassen, aber das Resultat ist wirklich beeindruckend. Auf "Perdition Portal" bekommen wir genau den oben beschriebenen melodischen Death Metal serviert: Meist rasend schnell, geprägt von fantastischem Gitarrenspiel und begleitet von variablen Growls. Im Vergleich zu den früheren Alben fällt auf, dass die Band noch mehr auf eingängiges Songwriting setzt, dabei auch mal geschickt das Tempo drosselt und an vielen Stellen eine angenehme Melancholie in die Gitarrenharmonien mit einbaut (z.B. in "Towards the Leaden Sky" oder "Shadowfathers"). Im Grunde ist es aber müßig, einzelne Songs herauszupicken, da das gesamte Album von vorne bis hinten Spaß macht. Einfach klasse!

Wer mehr über FRAGMENTS OF UNBECOMING wissen möchte, dem empfehle ich noch mein Bandfeature. Das aktuelle Album ist auf jeden Fall der perfekte Einstieg.

Wertung: 9 / 10

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Anspieltipp:


Amorphis - Queen of TimeAmorphis - Queen of Time

Eckdaten:

Stil: Folk/Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2018
Label: Nuclear Blast

Als im Vorfeld das Video zu "The Bee" erschien, war ich zugegebenermaßen sehr skeptisch. Meine Hoffnung war, dass es sich um ein Deja-vu Erlebnis handeln würde, denn auch im Fall des saustarken Vorgängers "Under the Red Cloud" entpuppte sich der Vorab-Track "Death of a King" als nicht sehr repräsentativ und vergleichsweise schwach. Und in der Tat: Ich kann freudig Entwarnung geben.

Auffällig ist, wie experimentierfreudig die Band heute agiert und sich auch nicht scheut, gänzlich neues Terrain zu beschreiten. Die orientalischen Einflüsse werden wieder etwas mehr in den Vordergrund gerückt, ähnlich wie zu "Tuonela"-Zeiten, und auch die Keyboards erhalten spürbar mehr Raum bei der Melodieführung. Einige der Neuerungen sind sehr gelungen da songdienlich, wie z.B. die THERION-Chöre in "Message in the Amber" oder der Orchestereinsatz im flotten "Heart of the Giant". An manchen Stellen wird es für meinen Geschmack allerdings fast schon zu schräg. Der 7/4 Takt in "Daughter of Hate" beispielsweise ist völlig untanzbar, und was der merkwürdige Reibeisen-Effekt in Anneke van Giersbergens Gastvocals zu suchen hat, erschließt sich mir auch nicht ganz.

Bitte nicht falsch verstehen. Das ist wirklich Jammern auf ganz hohem Niveau. Am Stück macht das Album einfach nur selig, wobei die echten Highlights viel bescheidener arrangiert sind. Da wäre das wunderschöne, von Rückkehrer Olli-Pekka Laine komponierte "As Mountains Crumble", in dessen Mittelteil die gute alte "1000 Lakes"-Schweineorgel angeworfen wird. Allein für diesen Song lohnt sich bereits die Anschaffung der Digi-Pack Version, da er nur unter den Bonus-Track versteckt ist. Was für eine Verschwendung, eigentlich. Meine anderen Favoriten sind das grandiose "We Accursed" sowie der Pseudo-Titeltrack "The Golden Elk". Dass Tomi Joutsen immer noch spektakulär gut singt und growlt, dass Esa Holopainen ein wahrer Zauberer an der Gitarre ist, und dass AMORPHIS einen scheinbar unbegrenzten Fundus an Gänsehautmelodien auffahren, bedarf wohl keiner Erwähnung.

Wie man das Ganze nun einordnen mag, hängt auch ein wenig von der eigenen Erwartungshaltung ab. Mit Begriffen wie "Magnus Opus" (siehe Deaf Forever) oder ähnlichen Superlativen um sich zu schmeißen, finde ich etwas übertrieben. Das liegt aber nicht am Album selbst, sondern an der Qualität des Backkatalogs. Es ist fast beängstigend, mit welcher Konstanz AMORPHIS mal mindestens seit dem Einstieg von Joutsen immer wieder großartige Arbeit abliefern. In diesem Gesamtkontext ist für mich "Queen of Time" nicht mehr und nicht weniger als ein (weiteres) richtig, richtig tolles AMORPHIS-Album. Und mehr zu verlangen wäre im Grunde reine Anmaßung.

Wertung: 9 / 10

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Lik - CarnageLik - Carnage

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2018
Label: Metal Blade

Das ist wirklich krass. LIK konnten ja schon mit ihrem famosen Debüt "Mass Funeral Evocation" (siehe Review) begeistern und sind für mich von all den zahllosen HM2-Retro-Jüngern eine der besten Bands, wenn nicht sogar die beste. Und mit dem geschmackssicher betitelten Zweitwerk "Carnage" ist es ihnen tatsächlich gelungen, noch eine Schüppe draufzulegen.

Die eigentliche Meisterleistung von LIK besteht darin, dass sie nicht einfach nur den Originalsound der frühen 90er übernehmen, sondern mit unfassbarer Schlagzahl messerscharfe Riffs und grandiose Songs darin verpacken, die allesamt einen hohen Wiedererkennungswert haben. "To Kill" eröffnet den Reigen mit einer charmanten Verbeugung vor "Override of the Overture". Weiter geht es mit drei Tracks, die man bereits im Vorfeld auf YouTube bestaunen durfte, nämlich das melodisch-schnelle "Rid you of your Flesh", das ultracoole "Celebration of the Twisted" und den D-Beat-Kracher "Dr Duschanka". Im Gegensatz zum Debüt gibt es auch kein Instrumental und kein Füllmaterial, und ich widerspreche auch dem Deaf Forever-Review, in dem behauptet wurde, dass es in der zweiten Albumhälfte angeblich etwas "dünn" wird. Von wegen. Gerade "Death Cult" und "Only Death Remains Alive" stechen als gnadenlose Uptempo-Hits heraus. Der Albumflow wird geschickt aufgelockert durch "The Deranged", das mit seiner düsteren Langsamkeit in die gleiche Magengegend wie "Skin Necrosis" vom Debüt zielt und auch die eine oder andere Gitarrenpassage zitiert. Den Abschluss bildet das epische "Embrace the End", und nach knapp 37 Minuten darf man die Dauerrotation von vorn beginnen.

Leider gönnen uns LIK auch diesmal keinen Blick auf die Lyrics, so dass man sich die feinwürzigen Details ihres morbiden Humors mühsam selbst erarbeiten muss. Umso mehr gilt die uneingeschränkte Empfehlung: Kaufen, niederknien, hören, hören, hören!

Wertung: 9,5 / 10

Band-Kontakt: Facebook-Präsenz

Anspieltipp:


Kalmah - PaloKalmah - Palo

Eckdaten:

Stil: Melodic Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2018
Label: Spinefarm

Ich muss gestehen, dass ich mit KALMAH nie so richtig warm geworden bin. Seit dem Debüt "Swamplord" erinnerte mich das ganze immer zu sehr an die Landsleute von CHILDREN OF BODOM, wobei man KALMAH zu Gute halten muss, dass sie stets mit weit weniger penetrantem Keyboard-Kleister und ohne jegliche Nervigkeitsfaktoren agierten. Trotzdem fehlte mir immer das gewisse Etwas. Okay, da wäre die "Moddermonster-aus-dem-Sumpf"-Thematik, die mehrere Alben durchzieht. Aber von der Substanz her ist das schon ein wenig dünn.

"Palo" ist nun bereits das achte Album und lässt mich durchaus aufhorchen, nicht weil sich KALMAH neu erfinden, sondern einfach eine ganze Batterie an bärenstarken Songs auffahren. Da hätten wir beispielsweise den Video-Smasher "Evil Kin", der von einem relativ stumpfen, modernen Hauptriff eingeleitet wird, später aber mit großartigen SENTENCED-Harmonien und einem umwerfenden Refrain punkten kann. Auch die anderen Highlights wie das mega-eingängige, fast schon radiokompatible "Take me Away" oder der epische Rauschmeißer "The Stalker" bewegen sich im flotten Mid-Tempo. Damit es nicht langweilig wird, platziert man ein paar schnellere Kracher wie "Paystreak" an den richtigen Stellen. Spieltechnik top, Produktion top, fertig ist ein Album, das wie eine "Best-of-Melodic-DM-from-Finland" daher kommt, mir aber immer noch keine Antwort auf die Frage nach der spezifischen KALMAH-Identität liefert.

Wertung: 8 / 10

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Anspieltipp:

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