Taurelin

Turned Inside Out - Reviews

"I can feel the presence of something beyond..."
(Amorphis 1992)


Aktuell


Vallenfyre - Fear those who Fear himVallenfyre - Fear those who Fear him

Eckdaten:

Stil: Doom/Crust/Death Metal
Land: Großbritannien
Jahr: 2017
Label: Century Media

VALLENFYRE wurden seinerzeit als Nebenprojekt von PARADISE LOST-Gitarrist Gregor Mackintosh gegründet, als dessen Vater an Lungenkrebs verstarb. Somit waren VALLENFYRE für ihn in erster Linie ein kathartisches Ventil, um die eigene Trauerarbeit in kreative Energie umzuwandeln, zumal Mackintosh hier auch für den Gesang und sämtliche Lyrics verantwortlich zeichnet. Nach einer EP und zwei Studioalben ist "Fear those who Fear him" nun die vierte und, so wie es aussieht, letzte Veröffentlichung, da zuletzt offenbar nicht mehr alle Bandmitglieder an einem Strang zogen.

Wie dem auch sei, auf dem Album präsentiert sich die Band noch einmal von ihrer besten Seite. Der Gesamtsound lebt nach wie vor von den rostig-verzerrten Gitarren und dem charismatischen Tiefgrowling von Greg Mackintosh. Das Einzigartige dabei ist, dass diese Mischung aus kalter Brutalität und tiefen Emotionen jederzeit funktioniert, völlig egal in welchem Tempo die Songs dargeboten werden. "Nihilist" beispielsweise ist eine humorlose Uptempo-Attacke mit Blastbeats, während "An Apathetic Grave" das extrem doomige Ende des Spektrums repräsentiert und dabei mit präzise dosierten, gefühlvollen Leads begeistert. Weitere Highlights sind das groovende "Degeneration", die 37-sekündige NAPALM DEATH-Verbeugung "Dead World Breathes" und das alles vernichtende "Kill all your Masters", das in knapp 2 Minuten auf den Punkt kommt. Die schwächsten Momente sind manche der crustigen D-Beat Songs, die mitunter eher unspektakulär und ohne großen Wiedererkennungswert dahin ballern.

"Fear those who Fear him" ist insgesamt ein gelungenes Abschiedsalbum mit Stil, auch wenn mir im direkten Vergleich der Vorgänger "Splinters" noch eine Spur besser gefiel.

Wertung: 8,5 / 10

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Countless Skies - New DawnCountless Skies - New Dawn

Eckdaten:

Stil: Melodic Death Metal
Land: Großbritannien
Jahr: 2016
Label: Kolony Records

"Der Dunkle Parabelritter", dessen You-Tube-Kanal gemeinhin bekannt sein dürfte, hat diese Band in einem Video vorgestellt als eine von "20 Metal Bands die du kennenlernen musst". Recht hat er! Der Name COUNTLESS SKIES ist natürlich die Übernahme eines Songtitels von BE'LAKOR, was ja nicht gerade die schlechteste Referenz ist. Und präzise in der Schnittmenge zwischen jenen Australiern und den Finnen von INSOMNIUM lässt sich auch der Sound dieser britischen Newcomer einordnen.

Gut, wer schon bei der Kombination der Begriffe "melodisch" und "Death Metal" die Augen verdreht, der wird auch mit COUNTLESS SKIES nicht glücklich werden. Für Freunde des Genres hat "New Dawn" eine ganze Menge zu bieten. Die typischen, gitarrenbasierten Midtempo-Klangteppiche werden ergänzt durch Akustikparts und vereinzelte schnellere Ausbrüche. Man setzt sogar dezente Farbtupfer in Form von Keyboards und Klargesang. Klargesang? Wieso nicht? Solange er gekonnt ist. Und das ist er in diesem Falle zum Glück. Was die Band aber wirklich drauf hat - oft besser als die Vorbilder - ist eine gewisse Frische und Fluffigkeit im Songwriting. Speziell die Gitarrenmelodien sind einfach grandios und erzeugen Wohlfühl-Melancholie - weniger Marke verschneiter Nadelwald, mehr Grand Canyon bei Sonnenuntergang (mit Slash am Rand, Zylinder, Kippe, Gitarre ohne Kabel natürlich), wenn ihr versteht, was ich meine.

Bin gespannt, was wir von dieser Band in Zukunft noch zu hören bekommen. Das Debüt finde ich bereits saustark.

Wertung: 8,5 / 10

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Dark Tranquillity - AtomaDark Tranquillity - Atoma

Eckdaten:

Stil: Göteborg-Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2016
Label: Century Media

Das wurde auch Zeit! DARK TRANQUILLITY gehören schon seit seligen "Skydancer"/"The Gallery"-Zeiten zu meinen Top10 Lieblingsbands. Seit einer Weile hat sich aber so ein bisschen das AMORPHIS-Syndrom bemerkbar gemacht. Will heißen: Es kamen mehrere Alben hintereinander, die zwar allesamt sehr gut waren, die aber alle wie aus einem Guss wirkten und wo die Songs fast austauschbar waren. Stagnation auf hohem Niveau, sozusagen.

Tja, und "Atoma" strahlt im Vergleich dazu eine unerwartete Frische aus. Weiß nicht, ob es am Weggang von Martin Henriksson liegt. Jedenfalls hat Drummer Anders Jivarp beim Songwriting an vielen Stellen seine Finger im Spiel und macht seinen Mitstreitern ordentlich Feuer unterm Hintern. Natürlich sind auch die üblichen Mid-Tempo Smasher in der Tradition von "Misery's Crown" am Start (z.B. "Our Proof of Life" oder der Titelsong). Aber die stärksten Momente werden für meinen Geschmack dann erreicht, wenn das Gaspedal durchgetreten wird und die Gitarren (und nicht die Keyboards) für die Kernmelodien sorgen. Und erfreulicherweise gibt es von diesem Kaliber jede Menge ("Neutrality", "The Pitiless", "When the World Screams"). Die Gesangsleistung von Charisma-Wunder Mikael Stanne lässt wie immer die Konkurrenz vor Neid erblassen, und die Produktion finde ich einen Tick weniger steril als zuletzt. Sehr angenehm. Den einen oder anderen Füller-Song im Mittelteil hätte man eventuell weglassen können, ansonsten gibt es aber nix zu meckern.

Die Digipack-Version enthält noch zwei Bonus-Tracks (von der ruhigen bzw. experimentellen Sorte) und ist wirklich schmuck aufgemacht. Für mich ganz klar das beste DT-Album seit "Damage Done".

Wertung: 9 / 10

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Symmetric Organ - States of DecaySymmetric Organ - States of Decay

Eckdaten:

Stil: Death Metal/Grindcore
Land: Deutschland
Jahr: 2016
Label: Eigenproduktion

SYMMETRIC ORGAN sind eine Band aus dem NRW-Underground und bewegen sich in der Schnittmenge zwischen Brutal Death Metal der amerikanischen Schule und Grindcore. "States of Decay" heißt ihre erste vollständige Demo-CD und bietet in etwas über einer halben Stunde 10 Blastbeat-Bratzen mit jeder Menge Verstand.

Ich habe lange überlegt, wie ich den Bandnamen SYMMETRIC ORGAN einordnen soll, denn ein "symmetrisches Organ" ist schon irgendwie unnatürlich und bizarr. Meines Erachtens passt der Name sehr gut zur Ambivalenz des Bandsounds: Brutal, aber durchdacht. Technisch, aber mit Druck. Das "Organ" steht folglich für die Death-metallische Basis, die "Symmetrie" hingegen repräsentiert die kompositorische und spielerische Finesse. In der Kombination könnte man dann auch von intelligentem Gehacke oder wahlweise von brachialer Präzision sprechen.

Leider enthält das Booklet keine Texte. Songtitel wie "Swarm Stupidity" oder "P.R.O.G.R.E.S.S" lassen aber den Rückschluss zu, dass man sich auch auf der textlichen Ebene Gedanken macht, deren Message über "Metzel und Gedärm" hinaus geht. Die CD gibt es für faire 10€ (+ Versand) direkt bei der Band. Oder man lässt sich bei einem der Auftritte zunächst live und in Farbe die Rübe abmontieren und greift danach zu.

Wertung: 8 / 10

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Insomnium - Winter's GateInsomnium - Winter's Gate

Eckdaten:

Stil: Melodic Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2016
Label: Century Media Records

"Winter's Gate" fällt in die Kategorie der 1-Song-Alben und steht damit ganz in der Tradition solcher Werke wie "Crimson" von EDGE OF SANITY. Lobenswerterweise machen INSOMNIUM auch gar kein Geheimnis darum, dass "Crimson" eine entscheidende Inspirationsquelle war, und für den Mix zeichnet tatsächlich Meister Dan Swanö verantwortlich. Erstaunt war ich trotzdem, als ich davon erfuhr, dass ausgerechnet INSOMNIUM ein derart ambitioniertes Projekt angegangen sind. Denn trotz ihres guten Gespürs für Atmosphäre und Melodien habe ich ihre songschreiberische Kompetenz bislang stets als eher hausbacken eingeschätzt.

Pustekuchen! Auf "Winter's Gate" zeigen sich INSOMNIUM besser als je zuvor. Die oben erwähnten musikalischen Trademarks sind allesamt vorhanden, und der Song ist eine mitreißende, abwechslungsreiche und bis ins Detail durchdachte Angelegenheit. Besonders hervorzuheben ist hier das lyrische Konzept. Basis ist eine von Sänger/Bassist Niilo Sevänen verfasste Kurzgeschichte über eine Wikingertruppe, die während eines Raubzugs in Irland auf einer mystischen Insel landet und dort... nein, mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Man greife einfach selbst zum Booklet und lasse sich in die Gedankenwelt der drei Protagonisten entführen, und das anschließende Verfolgen der Story in den eigentlichen Lyrics des Songs erhöht dann den Genuss noch mehr.

Klar wird jeder Hörer hier und da Passagen finden, die ihm besonders gefallen oder die ihn stören. Meine persönlichen Highlights sind beispielsweise die furiose Eröffnungssequenz, das zentrale Kapitel "At the Gates of Winter" (grob von 18:40 bis 24:00) mit einigen wahnsinnig guten Melodien und die folgende Passage "The Gate Opens", welche auf grandiose Weise die Spannung zum Finale hin aufbaut. Dagegen habe ich beim Outro den Eindruck, dass es künstlich in die Länge gezogen wurde, bloß um am Ende punktgenau auf 40:00 Minuten zu kommen. Insgesamt lässt sich aber festhalten, dass INSOMNIUM hier etwas ganz Großes gelungen ist. "Winter's Gate" sollte man gemäß der Intention der Künstler am Stück hören und auf sich wirken lassen.

Wertung: 9 / 10

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Album-Teaser:


Demonbreed - Where Gods Come to DieDemonbreed - Where Gods Come to Die

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2016
Label: Testimony Records

Fangen wir mit dem Formalkram an. Nach dem Abgesang von LAY DOWN ROTTEN haben sich Jost (v) und Timo (d) mit den Uralt-Mitgliedern Daniel (g) und Johannes (b) sowie Kumpel Fernando (g) von MILKING THE GOATMACHINE zusammengetan und legen nun - nach einigen vorab veröffentlichten Songs und vielbeachteten Liveauftritten - ihr Debütalbum vor.

Und "Where Gods Come to Die" ist nichts anderes als eine geballte Lehrstunde in Sachen Old School Death Metal. Dabei demonstrieren DEMONBREED nicht nur, wie diese Musik soundtechnisch eingekleidet werden muss (schwedisch nämlich), sondern vor allem, wie erstaunlich vielfältig dieser Stil sein kann: Mal geradeaus und Fressbrett-zertrümmernd (wie der Opener "Vultures in the Blood Red Sky" oder "Red Countess"), zwischendurch melodisch-verspielt a la DISMEMBER (speziell "Empty Grave", mein persönlicher Favorit), oder aber kompromisslos in BOLT THROWER-Manier alles niederwalzend (siehe "Barren Wasteland"). Die Coverversion "Blood Colored" ist dann die Verneigung vor den Helden von EDGE OF SANITY, wobei ich ehrlich gesagt diese spezielle Wahl etwas merkwürdig finde. Beim nächsten mal bitte direkt "Enigma" oder "Human Aberration".

Es ist eigentlich müßig, weitere Referenzen wie BLOODBATH, GRAVE oder ASPHYX anzuführen, denn mit einem derart bärenstarken Album setzen DEMONBREED selbst Maßstäbe. Das hat Kraft, das trieft von Herzblut, und das ist vor allem schön dreckig - allesamt Aspekte, die ich in den letzten Jahren bei LDR eher vermisst habe. Man hat den Eindruck, dass die Jungs jetzt endlich genau die Mucke machen, die sie eigentlich schon immer machen wollten. Und dass sie richtig Bock darauf haben. Pflichtkauf.

Wertung: 9,5 / 10

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Suidakra - Realms of OdoricSuidakra - Realms of Odoric

Eckdaten:

Stil: Celtic Folk/Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2016
Label: AFM Records

"Album Nummer 12, und alles ist gut!" So könnte es der Nachtwächter auf seinem Rundgang durch das SUIDAKRA-Reich ausrufen. Wieder einmal gibt es folkloristisch angereicherten, melodischen Death Metal mitsamt aller bandtypischen Markenzeichen zu hören, der zwar nicht besonders überrascht, aber fast uneingeschränkt erfreut. Und das ist doch auch was wert.

Das lyrische und visuelle Konzept von "Realms of Odoric" basiert auf dem gleichnamigen Soundtrack-Projekt von Bandleader Arkadius und Comic-Zeichner Kris Vervimp, der die Band schon lange konzeptuell begleitet. Auch Tina Stabel ist als Gastsängerin wieder mit von der Partie und darf diesmal in "Undaunted" unter Beweis stellen, dass sie nicht nur eine schöne Stimme für Balladen hat, sondern auch als amtliche Rockröhre taugt. Weitere Highlights sind die offensichtlichen Hits "The Hunter's Horde" und "Pictish Pride", zu denen auch Videos gedreht wurden, sowie mehrere eher versteckte Perlen wie "Lion of Darcania" oder "On Roads to Ruin". Es gibt wie immer eine ganze Menge zu entdecken, und atmosphärisch, schlüssig komponiert und gut produziert ist das Album natürlich auch.

Warum dann nur 8 Punkte? Weil mir persönlich ein paar mehr schnellere Passagen fehlen, weil der (männliche) Gesang in "Braving the End" doch arg mit der tiefen Stimmlage zu kämpfen hat und weil einige Riffs zu sperrig sind und nicht so geschmeidig ins Ohr gehen, wie ich es mir wünschen würde. Ein klasse Album ist "Realms of Odoric" natürlich trotzdem, bei dem Kenner der Band blind zugreifen können. Zum Einstieg würde ich weiterhin lieber einige der älteren Schätze empfehlen (siehe Band-Feature).

Wertung: 8 / 10

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Slaughterday - Laws of the OccultSlaughterday - Laws of the Occult

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Deutschland
Jahr: 2016
Label: FDA Rekotz

Lang erwartet, heiß ersehnt, nicht enttäuscht. Mit dieser Zusammenfassung wäre im Prinzip alles zu "Laws of the Occult" gesagt. Die beiden sympathischen Bartträger aus Norddeutschland konnten ja bereits mit "Nightmare Vortex" begeistern, und auf dem zweiten Langeisen hat sich an der Marschroute kaum etwas geändert. Wozu auch?

Ja, diese spezielle Version Death Metal ist sehr direkt und geradeaus. Es würde trotz allem der Sache überhaupt nicht gerecht werden, wenn man SLAUGHTERDAY bloß auf das Prädikat "Stumpf ist Trumpf" reduzieren würde. Dazu sind die Songs viel zu gut durchdacht und effektiv. Es passiert eine ganze Menge, seien es die gnadenlosen Grooves in "Sepulchral Voice", die - im Vergleich zum Debüt ausgereifteren - Soli wie in "Torn by the Beast" oder "Church of Dread", die BLACK SABBATH Anleihen in "Eyes that Never Shut", oder doch einfach nur thrashig nach vorn peitschendes Geballer wie in "Beyond Body, Beyond Life" und "Feeding the Ghouls".

SLAUGHTERDAY machen dahingehend genau das richtig, was auch Bands wie BOLT THROWER geschafft haben: Innerhalb ihres präzise umrissenen Substils konsequent weiterzuarbeiten, zu perfektionieren und Details feinzuschleifen.

Wertung: 8,5 / 10

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Lik - Mass Funeral EvocationLik - Mass Funeral Evocation

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 2015
Label: War Anthem

Braucht die Welt wirklich noch eine weitere Retro-OldSchool-Schwedendeath-Band? Bescheuerte Frage. Es geht ja auch nicht darum, ob man noch ein weiteres Bier braucht, sondern ob man noch eins mag. Und ich gestehe, dass ich von solchem Stoff wie "Mass Funeral Evocation" nicht genug bekommen kann.

Hinter LIK (= schwed. "Leiche") stecken u.a. ehemalige Mitglieder von GRAVE, KAAMOS und SIEBENBÜRGEN, die es offensichtlich geschafft haben, ein paar rostige Boss-HM2 Pedale auf dem Flohmarkt abzugreifen. Aber neben dem authentischen Sound sind es vor allem die Mörderriffs wie im Opener "Serum 141" oder in "Ghoul", die den Geist der alten schwedischen Schule reanimieren. Die Jungs wissen, wie man mitreißende Songs schreibt, variieren bei aller Räudigkeit auch mal das Tempo (siehe z.B. "Endless Oceans of Blood" oder ganz groß "Skin Necrosis"), und das IRON MAIDEN-Gedenksolo ("Le Morte Homme") darf natürlich auch nicht fehlen.

LIK ist somit die perfekte Ersatzdroge für alle, die ENTOMBED spätestens nach "Clandestine" ignoriert haben, die DISMEMBER schmerzlich vermissen und die beim Bier auf jegliche Experimente herzlich verzichten können. Hauptsache es schmeckt. Prost!

Wertung: 9 / 10

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Shylmagoghnar - EmergenceShylmagoghnar - Emergence

Eckdaten:

Stil: Melodischer Death/Black Metal
Land: Niederlande
Jahr: 2014
Label: Eigenproduktion

Okay. Dieses Album ist nicht brandneu, aber leider wurde ich erst jetzt - ganz "aktuell" - darauf aufmerksam. Meine Güte, was ich verpasst habe! Das holländische 2-Mann-Projekt mit dem unaussprechlichen Namen serviert uns hier ein musikalisches Sternemenü vom Allerfeinsten.

Man nehme das beste, was die stets reizvolle Schnittmenge zwischen Black und Death Metal zu bieten hat: Ein bisschen DISSECTION-Raserei hier, ein paar DARK TRANQUILLITY-Melodien da, etwas Erhabenheit von IN THE WOODS, dann mal einen simplen Part a la FALKENBACH, zwischendurch etwas OPETH-Progressivität, das ganze eingewickelt in diejenige Inspiration, die INSOMNIUM stets fehlt und angerichtet mit der Eingängigkeit von AMON AMARTH. Das klingt jetzt alles nicht wahnsinnig originell. Aber aus diesen wohlschmeckenden Zutaten erschaffen SHYLMAGOGHNAR ein großartiges Gesamtkunstwerk, das man am besten am Stück genießt. Es fällt schwer, einzelne Highlights heraus zu picken, zumal vier der neun Songs Instrumentals sind, die aber weitaus mehr als nur Lückenfüllerfunktion haben.

Was mir besonders gut gefällt ist, dass hier offenbar ganz hervorragende Musiker am Werk sind, die es aber nicht nötig haben, ihre Kompetenz ständig heraushängen zu lassen. Statt dessen spielt man ein Album voll hochkarätiger, packender Songs ein und bringt es in Eigenregie unter die Leute. Bewundernswert, hörenswert, förderungswürdig.

Wertung: 9 / 10

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Convulse - Cycle of RevengeConvulse - Cycle of Revenge

Eckdaten:

Stil: Progressive Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 2016
Label: Svart

Seit ihrem Debüt "World without God" haben CONVULSE in der finnischen Szene einen gewissen Legendenstatus. Dabei verlief ihre Karriere alles andere als geradlinig. Und "geradlinig" ist ebenfalls ein Attribut, das überhaupt nicht auf das vorliegende vierte Album zutrifft. Im Gegensatz zu anderen Bands aus der Prog/Death-Schiene (a la OPETH) sprechen wir hier aber ausdrücklich nicht von Kopfmusik. CONVULSE zielen direkt auf den Bauch - und die Psyche.

Los geht es mit einem echten Highlight. Der Titelsong wird eingeleitet durch einem sanften Gitarrenpart, den schleppenden Hauptteil trägt eine hypnotisch-eingängige Melodie, und das ultratiefe Growling von Bandleader Rami setzt einen markanten Kontrast. In der zweiten Hälfte des Songs wird es dann deutlich progressiver. Insofern ist der Opener repräsentativ für den Facettenreichtum des ganzen Albums. Da wird gegroovt ("God is You"), gerockt, geproggt ("Fractured Pieces"), gejammt, gelitten, geträumt ("Ever Flowing Stream"), gefrickelt, relaxt, und zwischendurch auch mal aufs Gaspedal getreten ("Nature of Humankind"). An vielen Stellen setzt man orientalische Elemente ein, die an AMORPHIS zu "Elegy"/"Tuonela"-Zeiten erinnern. Auffällig angenehm ist dabei die sehr natürlich gehaltene Produktion.

Es ist völlig klar, dass diese wirr anmutende Mixtur mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack treffen wird, mir zumindest gefällt das Gesamtpaket. Die einzigen Wermutstropfen sind, dass nicht alle Tracks gleichermaßen gelungen sind und dass die Spielzeit mit gerade mal 33 Minuten recht knapp ausfällt. Aus Respekt vor der Konsequenz, mit der CONVULSE ihr ganz eigenes Ding durchziehen, und unter Würdigung der Tatsache, dass der Titelsong ohne Zweifel eine Jahrtausendkomposition ist, lande ich bei soliden 7,5 Punkten.

Wertung: 7,5 / 10

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Ausgebuddelt


Sentenced - North from HereSentenced - North from Here

Eckdaten:

Stil: Technical Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 1993
Label: Spinefarm

Völlig egal, seit wann man SENTENCED kennt, "North from Here" dürfte wohl das ungewöhnlichste und faszinierendste Album im Backkatalog dieser fantastischen Band sein. Hier wird weder eingängiger Old-School-DM wie auf dem Debüt gespielt, noch bestehen Ähnlichkeiten zu dem rockigen, augenzwinkernd-melancholischen Metal der späteren Alben. "North from Here" ist im Gegensatz zu alledem ein schwer verdauliches und vor allem technisches Stück Todesblei, das seine Qualitäten erst nach mehrmaligen Durchläufen offenbart.

Der heisere Krächzgesang von Taneli Jarva war damals - lange vor dem Göteborg-Boom - noch neu, die Drums muten herrlich wirr an, und die Gitarrenarbeit kann man nur als filigran bezeichnen. Trotzdem bleibt der rote Faden der Songs stets nachvollziehbar. Grund dafür sind die glasklare, eiskalte Produktion und das Gespür für Melodien, die so typisch für SENTENCED sind. Das Instrumental "Where Waters Fall Frozen" vom Abschiedsalbum bietet als kurze Retrospektive einen Eindruck des damaligen Bandsounds.

"North from Here" ist ein geniales, anspruchsvolles Meisterwerk von einer frostigen und bizarren Schönheit, die bereits durch das Cover angedeutet wird, die man aber erst mit der Zeit begreifen muss.


Dismember - Indecent & ObsceneDismember - Indecent & Obscene

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Schweden
Jahr: 1993
Label: Nuclear Blast

Zugegeben: DISMEMBER sind alles andere als eine unterbewertete Band aus der zweiten Reihe, sondern werden allgemein zu den großen Vier des schwedischen Death Metals gezählt, selbst nach ihrer Auflösung. Ihr Zweitwerk fristet aber leider ein gewisses Mauerblümchendasein im Schatten des bahnbrechenden Debüts "Like an Everflowing Stream" und dem hochgelobten (was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann) Nachfolger "Massive Killing Capacity". Live bekam man allenfalls "Skinfather" und (wenn man Glück hatte) "Dreaming in Red" serviert. Und in der Rock Hard wurde "Indecent & Obscene" seinerzeit mit 7,5 läppischen Punkten abgespeist.

Schauen wir einmal etwas genauer hin. Bereits der Opener "Fleshless" ist mit seinem markerschütternden Eröffnungsschrei und dem unnachahmlichen Grundtempo ein echter Hinhörer. Weiter geht es mit besagtem "Skinfather" (in der Tat ein grandioser Klassiker), und im Mittelteil des Albums toben sich DISMEMBER weiter aus und lassen dabei auch mal tanzbare Grooves, kreative Breaks und songdienliche Spannungsbögen zum Einsatz kommen. Stets präsent sind dabei exakt diejenigen Stilmittel, die den Schwedendeath essentiell prägten und seit jeher ausmachen: Siehe Sunlight-HM2-Gitarrensound (der selten so markant herausgearbeitet wurde wie hier), siehe Gebolze mit Ankündigung, siehe Uptempo (ohne Blast-Gehacke). Die wirklichen Highlights stehen am Ende des Albums, nämlich das genial-komponierte "9th Circle" und die zwischen Melancholie und Aggression pendelnde Abrissbirne "Dreaming in Red".

Möglicherweise war "Indecent & Obscene" nicht wegweisend. Ich denke vielmehr, DISMEMBER haben damit bereits das Ziel erreicht: das ultimative, unverfälschte, perfekte schwedische Death Metal Album.


Mordicus - Dances from LeftMordicus - Dances from Left

Eckdaten:

Stil: Death Metal
Land: Finnland
Jahr: 1993
Label: Thrash

Auf den ersten Blick ist das hier eigentlich nichts weiter als bloß eine weitere "stinknormale" Death-Metal-Scheibe aus den frühen 90ern. Trotzdem wird sie irgendwie immer wieder als "wichtig" oder "Geheimtipp" oder "Kult" eingestuft. Und das kann gewiss nicht nur an den oberflächlich-exotischen Details wie "Finnland / Tico-Tico-Studio / 2 Sänger" liegen. Was also ist das wirkliche Alleinstellungsmerkmal dieses Albums?

Für meine Begriffe hat "Dances from Left" vor allem drei Dinge zu bieten: Frische, Kreativität und Charakter. Bereits der Gitarrensound bewirkt sowohl eine Abgrenzung vom schwedischen Sunlight-Einheitsbrei, als auch von den anderen finnischen DM-Bands mit ihrer naiv-rumpeligen Kellerakustik. Die Songs sind flexibel gestaltet, gleichermaßen eingängig wie verspielt, und man scheut weder Blast-Parts, noch akustische Intermezzi. All diese Elemente ergeben in der Summe ein Album, das eine Brücke zwischen Tradition und Innovation schlägt und damit einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

Man könnte es natürlich auch so formulieren, dass "Dances from Left" eben kein stinknormales, sondern ein extrem-geiles Death-Metal-Album ist. Reicht auch als Begründung.


Thy Serpent - Forests of WitcheryThy Serpent - Forests of Witchery

Eckdaten:

Stil: Dark Metal
Land: Finnland
Jahr: 1996
Label: Spinefarm

Ein User im Deaf-Forever-Forum beschrieb dieses Album sinngemäß: "Das ist Black Metal für Leute, die sonst eigentlich gar keinen Black Metal mögen." Und das trifft es perfekt auf den Punkt. Neben Corpsepaint, Keifgesang und Okkultismus steht nämlich die Musik für sich, und die ist eigentlich viel zu "schön" für BM.

Bösartige Geschwindigkeitseruptionen findet man selten. Größtenteils ist das Tempo getragen, die Melodien erhaben, die Songs dabei durchwebt von bittersüßer Traurigkeit und meist überlang. THY SERPENT geben ihren Kompositionen viel Raum, um sich aufzubauen und zu entfalten, ohne dass das ganze auch nur ansatzweise langatmig oder langweilig wird. Klargesang und Keyboards setzen dezent Farbtupfer an den richtigen Stellen.

"Forests of Witchery" ist der passende Soundtrack für kalte Winterabende am Kamin, wenn man eine Weile in seiner eigenen Melancholie schwelgen und idealerweise eine Flasche Rotwein köpfen mag. Zum Genießen.


Mortification - MortificationMortification - Mortification

Eckdaten:

Stil: (White) Death Metal / Grindcore
Land: Australien
Jahr: 1991
Label: Intense

MORTIFICATION gehören zu denjenigen White Metal Bands, die sich auch außerhalb christlicher Hörerkreise einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielen konnten. Den Durchbruch stellte seinerzeit das Zweitwerk "Scrolls of the Megilloth" dar, welches von Nuclear Blast veröffentlicht wurde und der Band Tourneen mit "normalen" Death Metal Bands wie MORBID ANGEL und DEICIDE ermöglichte.

Das selbstbetitelte Debütalbum erschien hingegen noch bei einem kleineren, primär christlichen Label und zeigt den ursprünglichen, ungeschliffenen Bandsound, wobei die Qualität der Produktion nicht unbedingt dem genretypischen Standard entsprach. Insgesamt klingt das ganze zwar bereits nach Death Metal, beinhaltet aber im Bereich der Gitarrenarbeit auch thrashige und gar punkige Elemente, und einige Songs sind lupenreines Grindcore-Gehacke, z.B das umständlich betitelte "The Majestic Infiltration of Order", bei dem Bandleader Steve Rowe lediglich ein paar mal das Statement "God rulz!" herausbellt. Das hatte schon einen gewissen Kauzigkeitsfaktor, der auch auf späteren Alben zum Vorschein kam und möglicherweise dazu beitrug, dass MORTIFICATION nie wirklich den Respekt bekamen, den sie verdienten.

Für mich lag damals der eigentliche Reiz der Scheibe bzw. der Band in dem Kontrast zwischen der rohen, harten Musik samt krasser Songtitel wie "Brutal Warfare" oder "Bathed in Blood" einerseits, und der frohen Botschaft, die ausführlich mit Bibelreferenzen im Booklet unterlegt wird, andererseits. Unabhängig davon sind Songs wie der Opener "Until the End" oder das schleppende "Journey of Reconciliation" auch aus heutiger Sicht immer noch gut.

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Kill Division - Destructive ForceKill Division - Destructive Force

Eckdaten:

Stil: Brutal Death / Thrash Metal
Land: Niederlande
Jahr: 2013
Label: Metal Blade

Ab und zu braucht man einfach einen ordentlichen musikalischen Schlag in die Fresse. Und für solche Fälle ist das erste und einzige Album von KILL DIVISION eine hervorragende Wahl.

KILL DIVISION ist der Zusammenschluss ehemaliger Mitglieder von LAMB OF GOD sowie GOD DETHRONED, namentlich Richard Ebisch (g,b,v), Susan Gerl (g,v) sowie Roel Sanders (d). Geradlinig, eingängig und ganz klar mehr riffbasiert als melodisch metzelt sich das Trio durch die leider recht kurze Spielzeit. Aufhorchen lassen vor allem die eigenständige Rhythmik (speziell die Hochgeschwindigkeits-D-Beats) und der Wechselgesang der beiden Vokalisten. Das Handwerk stimmt jedenfalls, und die Produktion ist genau so brutal, wie es das Songwriting verlangt. Erwähnenswert sei noch, dass man textlich wesentlich mehr zu sagen hat, als es die billig-martialischen Bandfotos vermuten lassen.

Nein, besonders originell oder kreativ ist das Ganze nicht. Ein gut gemachtes - ich sage sogar: ein gutes - Album mit durchschlagender Wirkung ist es trotzdem. Und es ist schade, dass das Projekt schon wieder Geschichte ist.

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