Taurelin

Blessed are the Sick - Die Bands

"There's probably more thought in what we do
Than a large part of what appeals to you"
(Napalm Death 1990)


Bow Before None

Bow Before None

Eckdaten:

Name: Bow Before None
Stil: Melodic Death Metal
Land: USA
Gründung: 2007

Ich sagte einmal: "Underground ist eine Band erst dann, wenn sie keinen eigenen wikipedia-Eintrag hat." Und BOW BEFORE NONE sind solch eine Perle aus dem tiefsten US-amerikanischen Untergrund.

Auf die Band gestoßen bin ich per Zufall beim Stöbern auf youtube und war sofort geflasht von der Stimme, den melodischen Gitarren und vor allem dem energiegeladene Stageacting. Außerdem glaubte ich zu erahnen, dass die Band auch textlich einiges zu sagen hat, konnte aber nirgendwo die Texte oder andere Infos finden.

Über Facebook gelang es mir dann, Kontakt zu Sängerin Victoria Villarreal (ehemals Alvarez) herzustellen, die mir auf meine Anfragen hin die Lyrics zusandte - und das obwohl sie die Songs seit Jahren nicht gesungen hatte und einzelne Zeilen selbst erst wieder rekonstruieren musste. Außerdem vertraute sie mir ein bisschen was über die Hintergründe ihrer Texte an und machte mich mit dem damaligen Gitarristen AJ Fecik bekannt. Das ist echt Metal!

Musikalisch lässt sich die Band in der Nähe von AT THE GATES und ARCH ENEMY positionieren, wobei man sich von den schwedischen Einflüssen aber durchaus abgrenzt, z.B. durch die variable Rhythmik, die von groovigen Parts bis hin zu Blastbeats reicht.

Auf youtube findet man mehrere Videos, von denen die meisten während eines Auftritts in ihrer kalifornischen Heimat mitgeschnitten wurden. Darüber hinaus gibt es bislang leider keine Tonträger oder sonstiges zugängliches Material. Nach mehreren Jahren in denen die Band komplett auf Eis lag, wurden aber im Juni 2016 erneute Live-Aktivitäten angekündigt und ein Album in Aussicht gestellt. Man darf gespannt sein.

Sängerin Victoria ist auch zusammen mit ihrem Mann in ihrer Band Syrebris aktiv, die wesentlich technischer und progressiver ausgerichtet ist und wo sie neben den Vocals auch für die Gitarre zuständig ist.

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

- keine vorhanden

Weblinks:

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Burial Vault

Burial Vault

Eckdaten:

Name: Burial Vault
Stil: Death Metal
Land: Deutschland
Gründung: 2006

BURIAL VAULT sind kein gänzlich unbeschriebenes Blatt, kann man doch eine ansehnliche Zahl an Veröffentlichungen, wohlwollende Reviews und sogar einen Vertrag bei einer etablierten Company (Apostasy Records) vorweisen. Der große Durchbruch ist aber bislang ausgeblieben, und so tingelt man vornehmlich zwischen kleineren Clubs und Festivals in der norddeutschen Heimat hin und her.

Auch wenn auf der Schublade, in die man BURIAL VAULT einsortiert, dick und fett "Death Metal" geschrieben steht, zeichnet sich der Bandsound dadurch aus, dass man tatsächlich alle Ecken dieser Schublade so weit wie möglich auslotet. Sprich: Das wichtigste Markenzeichen der Band ist Abwechslungsreichtum. Das betrifft den Gesang, der von markanten Growls über BM-artiges Keifen bis hin zu Clean-Experimenten reicht. Das betrifft auch die Rhythmusfraktion. Und das gilt vor allem für das Songwriting, das mal progressiv, mal groovend und mal einfach nur geradeaus in-your-face ausfällt. Zusammengehalten wird das ganze durch die immer präsenten eingängigen Melodien.

Was BURIAL VAULT ebenfalls von anderen Bands unterscheidet, sind die durchdachten Lyrics, die Themen weitab von jeglichen Death Metal Klischees abdecken. Oder kennt ihr sonst eine Band, die Texte über Otto Hahn (Entdecker der Kernspaltung) schreibt, sich (mehrfach!) eindeutig gegen Fremdenfeindlichkeit positioniert und ein ganzes Konzeptalbum zu Ray Bradburys utopischem Roman "Fahrenheit 451" am Start hat?

Ich selbst konnte die Band bislang erst einmal live erleben bei einem Gastspiel im Siegener Vortex. Fantastischer Auftritt, und sehr sympathische Jungs!

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

Ekpyrosis / Periodic Destruction (Dies ist dasjenige Album mit der höchsten Trefferquote an Jahrtausendmelodien und als repräsentativer Einstieg perfekt. Download)

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A Canorous Quintet

A Canorous Quintet

Eckdaten:

Name: A Canorous Quintet
Stil: Death Metal
Land: Schweden
Gründung: 1991

Die wahre Qualität einer Band zeigt sich oft erst Jahre später, so auch im Fall von A CANOROUS QUINTET. Die Band brachte es Mitte der 90er zu mehreren EPs und zwei Studioalben, die aber irgendwo in der Schwemme an Veröffentlichungen aus Schweden untergingen. Zwar konnte man sich durch Auftritte mit Größen wie AT THE GATES, EDGE OF SANITY oder DISSECTION einen gewissen Ruf als exzellente Liveband im Underground erspielen, zu mehr reichte es dann aber doch nicht. Nach diversen Besetzungswechseln, die absurderweise sogar eine Umbenennung in A CANOROUS QUARTET erforderten, gingen die Mitglieder getrennte Wege. Zu großer Bekanntheit brachte es danach vor allem Drummer Fredrik Andersson, der bei AMON AMARTH einstieg und dort auf sämtlichen Alben bis einschließlich "Deceiver of the Gods" (2013) vertreten ist.

Was der Band möglicherweise zu ihrer aktiven Zeit im Weg stand, war die vielseitige Identität des Bandsounds, mit dem man zwischen allen Stühlen saß: Komplexer und verspielter als die Stockholmer Konkurrenz, dabei aber wesentlich brutaler als die Göteborg-Fraktion, aggressiver und unkontrollierter als EDGE OF SANITY, dabei schwarzmetallischen Elementen nicht gänzlich abgeneigt, und zwar einen Tick ausgeprägter als bei UNANIMATED aber weit weg von NAGLFAR. Im Nachhinein ist es wohl genau diese einzigartige Balance, wodurch die Alben reizvoll und vor allem insgesamt typisch schwedisch klingen.

Einige der ehemaligen Mitglieder sind heute unter dem Namen THIS ENDING aktiv. Aber Vorsicht: musikalisch bestehen gravierende Unterschiede. THIS ENDING sind deutlich geradliniger unterwegs, gar nicht mal so weit weg von AMON AMARTH, und "bereichern" ihren Sound durch Industrial-artige Samples. Wem's gefällt, bitte sehr. Ich bevorzuge die ursprüngliche Version der Band.

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

The Quintessence (beide Alben "Silence of the World Beyond" / "The Only Pure Hate" + Bonustracks samt Linernotes)

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Centinex

Centinex

Eckdaten:

Name: Centinex
Stil: Death Metal
Land: Schweden
Gründung: 1990

CENTINEX gehören mit zu den dienstältesten Schwedendeath-Bands, die aber speziell in den ersten Jahren stets ein Dasein im schattigen Keller fristete, während ihre Landsleute von ENTOMBED/DISMEMBER/GRAVE/UNLEASHED etc. ihre Erfolge feierten.

Grund dafür war nicht die fehlende musikalische Qualität, sondern vor allem der mangelnde Support einer renommierten Plattenfirma. Außerdem musste man sich mit diversen Besetzungswechseln herumschlagen.

Stilistisch lässt sich die Band irgendwo zwischen Göteborg (AT THE GATES) und alter Stockholmer Schule einordnen. Teilweise hört man auch schwarzmetallische Elemente (in Richtung DISSECTION) heraus, und auf den späteren Alben wurden hier und da einige moderne Parts eingebaut.

Nachdem man jahrelang vergeblich im Underground rackerte, ohne Land zu sehen, löste sich die Band 2006 frustriert auf, startete aber einige Zeit später - im Jahre 2014 - eine Reunion mit einem hörenswerten (wenn auch nicht unbedingt bandtypischen) Comeback-Album.

In der Zwischenzeit formierten einige der damaligen Mitglieder die Band DEMONICAL, die einen ähnlichen Stil fährt, dabei aber direkter einen höheren Bekanntheitsgrad erzielte.

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

Bloodhunt/Reborn Through Flames (Re-Release = die beiden besten Veröffentlichungen auf einem Tonträger samt Bonustracks)

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Cryhavoc

Cryhavoc

Eckdaten:

Name: Cryhavoc
Stil: Melodic Death / Heavy Metal
Land: Finnland
Gründung: 1992

Wir befinden uns in Finnland Anfang bis Mitte der 90er Jahre. Es geht um eine Band, die im Death Metal ihre Wurzeln hat, deren Stil sich aber im Laufe der Zeit in Richtung deutlich rockigerer Klänge wandelte und die auf augenzwinkendere Weise melancholische Texte mit schmissigen Melodien verbindet. Nein, die Rede ist nicht von SENTENCED. Aber genau da liegt das Problem, nämlich dass CRYHAVOC von Anfang an wegen der offensichtlichen Parallelen immer nur als Kopie ihrer Landsleute betrachtet und stets mit ihnen verglichen wurden.

Einerseits ist das natürlich schade, andererseits könnte man es auch so drehen, dass CRYHAVOC an der Stelle weitermachten, wo sich bei SENTENCED zwischen "Amok" und "Down" eine Lücke auftat. Wer flottere Songs im Stil von "Bleed" mag, dabei aber die semi-melodischen Vocals von Taneli Jarva bevorzugen würde, dem sollte eigentlich auch die Musik von CRYHAVOC zusagen. Eingängig genug sind die Songs der beiden Alben allemal. Und zu mehr hat es die Band leider nie gebracht, so dass man nur erahnen kann, was passiert wäre, wenn sich die Band hätte freischwimmen können.

Es gab nie eine richtige Auflösung, und auch der Plattenvertrag soll angeblich noch existieren. Und da ja Retro allenthalben angesagt ist, soll man die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht noch einmal etwas von ihnen zu hören.

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

Pitch-Black Blues (ist das ausgereiftere Album und außerdem nicht auf YT verfügbar)

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Fragments of Unbecoming

Fragments of Unbecoming

Eckdaten:

Name: Fragments of Unbecoming
Stil: Melodic Death Metal
Land: Deutschland
Gründung: 2000

"Swedish styled Death Metal" heißt das Prädikat auf der offiziellen Website von FRAGMENTS OF UNBECOMING. Dabei ist der etwas sperrig anmutende Bandname eigentlich bereits Referenz genug. Er entstammt nämlich der ersten Strophe des Songs "Darkday" von EDGE OF SANITY:

"Whispers, travelling with the wind
Like fragments of unbecoming, the gathering of our sins
"

Schön, wenn eine Band einen solch ausgezeichneten Geschmack hat und derart offen zu ihren Einflüssen steht.

Zu bislang fünf Veröffentlichungen hat es die Band seit ihrer Gründung im Jahre 2000 gebracht und dabei erstaunlich wenige Besetzungswechsel vollzogen. Entsprechend konstant ist auch die Qualität der diversen Alben, die allesamt anspruchsvolle Kompositionskunst und eine hochmelodische Gitarrenarbeit aufweisen. Sehr typisch sind die wunderschönen akustischen Intros und Zwischenspiele, die das ganze immer wieder auflockern. Das Gesamtkonstrukt deckt damit die ganze Palette des melodischen Death Metal ab: Die Hektik von AT THE GATES, den Einfallsreichtum von EDGE OF SANITY und die Old-School-Attitüde, die IN FLAMES irgendwann unterwegs verloren haben.

Kritiker werfen den Musikern vor, dass sie sich zu gerne in ihrer Detailverliebtheit verzetteln und oft die Eingängigkeit der Songs aus den Augen verlieren. Meiner Ansicht nach ist es eher der sterilen Produktion speziell der Frühwerke anzukreiden, dass die Songs manchmal gefühlloser erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. Etwas genauer hinzuhören lohnt sich also definitiv.

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

The Art of Coming Apart (das letzte und gleichzeitig stärkste Album)

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Heavenwood

Heavenwood

Eckdaten:

Name: Heavenwood
Stil: Gothic Metal
Land: Portugal
Gründung: 1995

Das waren noch Zeiten, als es kein Internet, kein YouTube und kein Spotify etc. gab. Da musste man noch selbst seinen Hintern bewegen und sich in den Plattenladen seines Vertrauens begeben. Und da konnte es schon mal passieren, dass man vom kundigen Verkäufer angesprochen wurde: "Hier, ich hab' da was, das könnte dir gefallen. Hör doch mal rein." Und Recht hatte der Mann! Das war meine erste Begegnung mit HEAVENWOOD.

Die Wurzeln der Portugiesen reichen zurück bis in die frühen 90er. Unter dem Namen DISGORGED spielte man aber noch reinen Death Metal. Nach dem Selbstmord des damaligen Bassisten erfolgte die Umbenennung und eine Stiländerung zu Gothic Metal mit einer nicht zu verleugnenden Schlagseite in Richtung PARADISE LOST. Auch der Name ihrer Landsleute (und Freunde) von MOONSPELL fällt des öfteren in diesem Zusammenhang. Meiner Meinung nach führt dieser Vergleich aber in die Irre, denn bis auf das grobe Obergenre und die Herkunft haben die Bands eigentlich kaum etwas gemeinsam. Der Sound von HEAVENWOOD kommt ohne jegliche theatralische Düsternis aus. Man punktet einfach mit interessant arrangierten Songs, haufenweise Ohrwurmmelodien und ungekünstelter Spielfreude, die man auch live an den Tag legte, z.B. in Wacken (müsste 1998 gewesen sein, übrigens meine zweite Begegnung mit der Band). Gute-Laune-Gothic-Metal sozusagen.

Nach dem fantastischen Debüt und einem ebenfalls sehr guten Zweitwerk, auf dem sich Liv Kristin und Kai Hansen als prominente Gastmusiker die Ehre gaben, verzettelte sich die Band ein wenig. Es kriselte, Alben erschienen sehr unregelmäßig, und mittlerweile ist die Stammbesetzung auf Triogröße geschrumpft, aber immer noch aktiv. Die Frühwerke sind natürlich immer noch hörenswert und können auch von meiner Warte aus bedenkenlos weiter empfohlen werden.

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

Diva (chronologisch und qualitativ die Nr.1)

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Suidakra

Suidakra

Eckdaten:

Name: Suidakra
Stil: Celtic Folk/Death Metal
Land: Deutschland
Gründung: 1994

Nach dem fantastischen Konzert im Vortex (Review) habe ich mich, wie angekündigt, mal fortgebildet in Sachen SUIDAKRA. Und ich muss sagen, es hat sich mehr als gelohnt. Ist mir echt schleierhaft, wieso ich diese Band so lange übersehen habe. Scheint aber ein generelles Problem zu sein, denn überall liest man "unterbewertet", "...haben nicht den Status, der ihnen zusteht", "...müssten eigentlich viel erfolgreicher sein" und ähnliches. Was genau läuft da schief?

Gegründet wurde die Band unter dem Namen GLORYFICATION, bis man auf die geniale Idee kam, den Namen von Bandkopf Arkadius (v/g) einfach rückwärts zu buchstabieren. Zentraler Bestandteil des Bandkonzepts war von Anfang an der Einbezug folkloristischer Elemente, und zwar sowohl auf lyrischer, als auch auf musikalischer Ebene. Im Gegensatz zum Großteil stilverwandter Kollegen beschäftigt man sich mit der keltischen, irischen und schottischen Mythologie und Geschichte. Beispielsweise befasst sich das Album "Caledonia" mit dem Kampf der Pikten gegen die Römer, und auf "Crógacht" wird der Werdegang des irischen Sagenhelden Cuchulainn erzählt.

Musikalisch bereichern SUIDAKRA ihren angeschwärzten melodischen Death Metal, wie gesagt, ebenfalls mit Folk-Einflüssen, etwa in Form von keltisch anmutenden Melodieführungen, Einzelpassagen bzw. ganzen Balladen mit Klargesang und gelegentlichen Dudelsackeinsätzen, aber immer wohldosiert. Die jahrelange Erfahrung im Studio und auf der Bühne garantiert, dass das Songmaterial stets stimmig und vor allem eingängig ist, wobei auf jedem der zahlreichen Alben immer wieder die Schwerpunkte leicht variiert werden.

Um noch einmal zur Eingangsfrage zurück zu kommen: Warum SUIDAKRA trotz ihrer harten Arbeit und kontinuierlichen Präsenz den Sprung nach ganz oben nie geschafft haben - möglicherweise ist einfach ihre Zielgruppe zu speziell. Für den SKYCLAD-Liebhaber zu hart, für Puristen zu schräg, für den Event-Metaller ("Wir fahren nach Wacken und saufen Met bis wir umfallen, humppa humppa...") wahrscheinlich zu anspruchsvoll. Traurig aber wahr.

Von daher lautet die Empfehlung: Scheuklappen weg, Ohren auf und auf Entdeckungsreise gehen!

Anspieltipp:

Kaufempfehlung:

Crógacht (ein sehr typisches, facettenreiches und richtig gutes Album, wobei gemeinhin eher "The Arcanum" als das Referenzwerk angesehen wird)

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