Taurelin

The Truth Beyond - Artikel und Informatives

"Knowledge of a wind so old
... whispers through the dark"
(Unanimated 1995)


Dan Swanö - Ein Portrait

"Beim Schlagzeug gibt es keine Melodien, bei meinem Gesang auch nur selten - da müssen doch wenigstens die Gitarren melodisch sein. 75 Prozent unserer Riffs haben eine Melodie, die man mitsingen, nachpfeifen oder auf dem Klavier spielen kann. ... Wenn in einem Song keine Melodie enthalten ist, dann hat das für mich nichts mehr mit Musik zu tun."
(Dan Swanö 1993)

Dan Swanö

Dan Swanö ist ein Workaholic, wie er im Buche steht. Den meisten dürfte er als die treibende Kraft hinter EDGE OF SANITY bekannt sein, wo er neben dem Songwriting hauptamtlich für den Gesang zuständig war. Was viele nicht wissen ist, dass Dan ursprünglich als Schlagzeuger begann, bei EDGE OF SANITY eher unfreiwillig in die Rolle des Sängers geriet und tatsächlich ein Meister an vielen verschiedenen Instrumenten ist.

Mit EDGE OF SANITY sorgte Dan immer wieder für Innovationen. Auf dem passend betitelten Zweitwerk "Unorthodox" hörte man nicht nur ein düsteres Cello-Intro, sondern gar klaren Gesang. Und das war 1992 tatsächlich revolutionär. Das gleiche gilt für die langsamen Walzertakte in "When All is Said" vom gleichen Album oder für die Dark-Wave-Sounds in "Sacrificed" vom Nachfolger "The Spectral Sorrows".

Ein weiteres Highlight im Backkatalog der Band ist "Crimson". Ich erinnere mich noch daran, als ich damals im Nuclear Blast Katalog die Ankündigung las: "Ein Album voller Kracher". Nun, mit solch platten Floskeln kann man vielleicht 08/15-Bands gerecht werden, ohne das Album vorab gehört zu haben. Nicht so im Fall einer derart ungewöhnlichen Band wie EDGE OF SANITY, denn die Jungs überraschten mit einem einzelnen Song, der 40 Minuten dauert und von Melody-Death über Gothic-Ausflüge bis hin zu Blastparts eine kunterbunte und kurzweilige Achterbahnfahrt bietet.

Während dieser Phase kristallisierte sich allerdings allmählich eine Zweiteilung in der Band heraus: auf der einen Seite Bandkopf Dan Swanö, auf der anderen Seite die restlichen Mitglieder, die u.a. aufgrund ihres Punkhintergrunds eine simplere Schiene verfolgten. Diese Spaltung, die sich auch auf den Komponierprozess und die Aufnahmen auswirkte, führte schließlich zum Split.

Dan witzelte gerne über die angeblich fehlenden handwerklichen Fähigkeiten seiner Bandkollegen, z.B. dass er nie mit ihnen auf Tour gehen könne, da sie sich eh den ganzen Tag nur besaufen würden, und dass er ein Album im Alleingang in der halben Zeit einspielen könnte. Wenn man sich dann den Geniestreich "Crimson II" anhört, den er mit einigen Gastmusikern aufnahm, mag man ihm glatt glauben.

Witzigerweise räumte Dan im Nachhinein ein, dass es hauptsächlich seine Schuld gewesen sei, weshalb EDGE OF SANITY nie eine gute Liveband waren, da er auf der Bühne einfach zu schüchtern sei. Bescheidenes Understatement pur.

Neben seiner Hauptband betätigte er sich in zahlreichen anderen Projekten. Stellvertretend seien hier NIGHTINGALE, BLOODBATH und WITHERSCAPE angeführt. Außerdem hat sich Dan einen Namen als Produzent gemacht. In seinem eigenen Unisound-Studio haben diverse namhafte Bands wie DISSECTION, MARDUK und OPETH unter seiner Regie ihre Alben aufgenommen, und in vielen Fällen konnte Meister Swanö seinen Kunden als Gastmusiker hilfreich unter die Arme greifen, etwa durch Backing Vocals oder Keyboardparts. Das ging teilweise so weit, dass Dan die kompletten Gitarrenparts selbst übernehmen musste, weil der Gitarrist der jeweiligen Band kurz vor dem Studiotermin die Brocken hingeschmissen hatte.

Weblinks:

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Daniel Ekeroth - Ein Portrait

"Wenn es um extreme Genres wie Death Metal geht, reduzieren die Autoren alles gern auf billige Schockeffekte, weil sie sich lieber um anstößige Textinhalte und Images kümmern als um die Musik an sich. Im allgemeinen halte ich eine solche Herangehensweise für recht oberflächlich und respektlos, und ich werde mir einen derart einfachen und billigen Ansatz nicht erlauben. Statt dessen richtet mein Augenmerk sich auf die größte Leistung des schwedischen Death Metal - die unglaubliche Musik."
(Daniel Ekeroth 2007)

Daniel Ekeroth

Daniel Ekeroth ist in erster Linie Musiker, genauer gesagt Bassist (THIRD STORM, DELLAMORTE, ehemals INSISION). Darüber hinaus ist er auch Autor und insbesondere Verfasser des ultimativen Referenzwerks zum gleichnamigen Thema "Swedish Death Metal". In diesem knapp 500 Seiten starken Buch bietet Daniel Ekeroth einen umfassenden, tiefschürfenden und sehr persönlich gehaltenen Einblick in die Anfangszeit des schwedischen Death Metals, speziell was die Stockholmer Szene betrifft. Zu Wort kommen zahlreiche prominente Vertreter, die damals wirklich dabei waren. Abgerundet wird das ganze durch einen unfassbar detaillierten Anhang (Discographien, Übersicht über Fanzines etc.), zahllose kultige Fotos und Konzertflyer sowie eine Menge Leidenschaft.

Daniel Ekeroth ist auch in diversen Videos auf youtube zu bewundern, so z.B. in diesem hier, in dem er höchst anschaulich und mit einem feinen Humor die Entstehung des originalen Schwedendeath-Gitarrensounds demonstriert:

Weblinks:

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Geheimnisse einer guten Playlist

"Als Anheizer brauchst du 'nen Hit, damit man dir zuhört. Dann drehst du noch einen Tick mehr auf, aber ohne dein Pulver zu verschießen. Anschließend kühlst du das ganze wieder runter. Und das sind nur die Grundregeln."
(John Cusack als Rob Gordon in High Fidelity)

John Cusack in High Fidelity

Wenn man einen Sampler für einen wertvollen Menschen oder einfach nur eine Best-of-Lieblingsband fürs eigene Auto zusammenstellt, ergeben sich im Grunde die gleichen Fragen, die auch eine Band bei der Vorbereitung eines Konzerts umtreiben:

Welche Songs? Welche nicht? Und in welcher Reihenfolge?

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist im Idealfall mehr als die Summe seiner Teile. Eine gute, funktionierende Playlist zu basteln ist tatsächlich eine Kunst für sich - schwierig, macht aber Spaß.

Hier mal meine persönlichen 10 Gebote:

Setlist Grave, Siegen Vortex Sep 2012

1. Mindestens einen Song von jedem Album

Es gibt leider viel zu viele Bands, die ganze Kapitel ihrer eigenen Discographie sehr stiefmütterlich behandeln. Das sind meist die Frühwerke, im Fall von AMORPHIS beispielsweise fehlt auf Konzerten die komplette mittlere Phase (von "Tuonela" bis "Far from the Sun").

Ich denke, eine gute Setlist darf ruhig die gesamte Entwicklung der Band repräsentieren, und es muss schon ein triftiger Grund herhalten, warum einzelne Alben dabei komplett ausgeblendet werden sollen.

2. Niemals zwei Songs vom selben Album hintereinander

Es gibt natürlich Ausnahmen, z.B. wenn Intro und Opener zusammen gehören (DISSECTION - "At the Fathomless Depths" / "Night's Blood"), wenn die Songs eine thematische oder musikalische Einheit bilden (BLIND GUARDIAN - "The Bard's Song Pt. I + II") oder aufnahmetechnisch ineinander übergehen und schwer zu trennen sind (RUNNING WILD - "Death or Glory" / "Battle of Waterloo"). Aber prinzipiell empfinde ich 2er- oder gar 3er-Blocks als schlechten Stil.

3. Struktur geben

So wie ein Text in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert ist, besteht eine Playlist aus Eröffnungssequenz (Intro/Opener + 2, maximal 3 weitere Tracks), Hauptteil (der seinerseits in mehrere "Kapitel" untergliedert sein kann), Schlussphase und Zugabenblock.

4. Uptempo-Kracher zum Einstieg

Siehe Zitat aus 'High Fidelity'. Dass dieses Rezept sehr gut funktioniert, sieht man auf mehreren RUNNING WILD Alben, wo auf einen schnellen, melodischen Opener eine Rocknummer folgt und der dritte Song in eine experimentelle Richtung geht. Siehe "Death or Glory" ("Riding the Storm" / "Renegade" / "Evilution") oder "Blazon Stone" ("Blazon Stone" / "Lonewolf" / "Slavery").

Beispiele wie man es nicht machen sollte: DISMEMBER - "Stillborn Ways" (Under Blood Red Skies DVD), TIAMAT - "A Pocket-Sized Sun" (Live in Wacken)

5. Breaks erzeugen Spannung

Das kann ein stilistischer Bruch sein, ein Sprung in der Zeit ("Okay, jetzt kommt ein Song von unserem Debüt-Album. Kennt das noch jemand?") oder ein (kurzes) Zwischen-Intro.

Eine gute Setlist ist wie eine Achterbahnfahrt. Es kann mal hoch, mal runter gehen, aber sie ist immer in Bewegung.

6. Keine Pausenfüller

Ich bin kein Freund von Drum-Solos, Instrumentals und ähnlichem Schnickschnack, der nur Zeit schinden soll. Und mittelmäßige Songs als Füllmaterial auf eine Best-of zu packen, ist sowieso ein Widerspruch in sich.

7. Ans Ende gehört ein episches Meisterwerk

Nicht jede Band hat eine Hymne a la "Prisoner of our Time" im Programm. DISMEMBER sollten in dem Fall zu "Dreaming in Red" greifen, SENTENCED zu "Moon Magick".

8. Songs, die auf dem Album als Opener fungieren, taugen oft gut als Rausschmeißer

Beispiele: RUNNING WILD - "Under Jolly Roger", SLAYER - "Angel of Death", ENTOMBED - "Left Hand Path", BLIND GUARDIAN - "Majesty". Q.e.d.

9. Im Zugabenblock können nicht nur die großen Klassiker Platz finden, sondern auch obskure Raritäten, Coversongs etc.

Selbsterklärend.

10. Auf die Übergänge achten

Auf CD hat man zwischen den Songs manchmal ein paar Sekunden Pause. Je nachdem, wie man die Playlist zusammenschneidet, können diese Pausen auffällig lang werden. Falls nötig sollte man da Hand anlegen, damit der "Flow" erhalten bleibt. Profis achten außerdem auf einen angeglichenen Lautstärkepegel, der bei Songs von unterschiedlichen Alben mitunter hörbar variiert.

Anschauungsbeispiel: (meine) Best of EDGE OF SANITY

Edge of Sanity LogoThe Spectral Sorrows (Intro)
Darkday
Of Darksome Origin
Until Eternity Ends
Human Aberration
Jesus Cries
Twilight
Dead but Dreaming
Elegy
Losing Myself
The Masque
When All is Said
_______________
Silent
Sacrificed
Enigma

Im Sinne von Regel 1 fehlen "Crimson I/II", da dies 1-Song Alben sind, und beide Songs finde ich gut, aber für eine Playlist eineutig zu lang. Von "Cryptic" ist ebenfalls kein Song enthalten, denn ein EoS-Album ohne Dan Swanö ist für mich kein echtes EoS-Album.

Man beachte, dass die Eröffnungssequenz sowohl zum 'High Fidelity' Zitat, als auch zu der Vorgehensweise von RUNNING WILD passt. "Darkday" ist ein perfekter Opener, und die Blastattacke am Anfang von "Of Darksome Origin" setzt noch einen drauf. "Until Eternity Ends" ist grooviger und progressiv angehaucht, was einen schönen Kontrast erzeugt.

Auffällige Breaks sind der Zeitsprung zum Debüt in Form von "Human Aberration" und die melodischen Ohrwürmer "Twilight" und "Losing Myself". Die Hits finden sich am Ende des regulären Sets bzw. im Zugabenteil, wo ebenfalls die Hommage an die SISTERS OF MERCY, "Sacrificed", erscheint.

Viel Spaß beim Ausprobieren bzw. beim selbstständigen Tüfteln

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Spinefarm Records - Labelvorstellung

"There is an energetic and dedicated group of people at the label already, and we’ll be expanding our staff as we reach out to the artist community to begin new partnerships, as well as working hard on the roster we now have."
(Jonas Nachsin, General Manager, 2013)

Spinefarm Records

Zugegeben: Wenn man über Plattenfirmen und Death Metal nachdenkt, ist Spinefarm Records nicht unbedingt die erste Adresse, die einem in den Sinn kommt. Dabei haben Spinefarm schon zu Beginn der 90er eifrig mitgemischt und viele - vor allem einheimische, also finnische - Bands auf dem Weg ins harte Music-Business begleitet.

Gegründet wurde die Firma 1990 in Finnland. Auch wenn die erste gesignte Band (RYTMIHÄIRIÖ) zum Hardcore-Bereich gehört, kristallisierte sich Metal ganz klar als Schwerpunkt des Labels heraus. Auf dem folgenden Bild, für das ich einige Spinefarm-CDs aus meiner eigenen Sammlung herausgesucht habe, findet man namhafte Acts wie SENTENCED, CHILDREN OF BODOM, NIGHTWISH oder ENSIFERUM wieder:

Spinefarm Collection

Auffällig erscheint mir, dass es in vielen Fällen nur die Erst- oder Frühwerke sind, die von Spinefarm veröffentlicht wurden. Das könnte man dahingehend interpretieren, dass die entsprechenden Bands das Label nicht als langfristige Heimat sahen, sondern lediglich als Sprungbrett für die internationale Karriere benutzten.

Im Laufe der Zeit wurden mehrere Sub-Labels (namentlich sei Spikefarm erwähnt, weil hier Sami Tenetz von THY SERPENT seine Finger im Spiel hat) sowie Niederlassungen in England und den USA gegründet, um auch international aufgestellt zu sein. Dabei kooperiert man auch mit anderen Labels (z.B. Nuclear Blast, Drakkar) im Bereich des Vertriebs in Europa und vertreibt seinerseits Alben anderer Labels auf dem finnischen Markt.

Ein gravierender Einschnitt in der Geschichte fand 2002 statt, als die amerikanische Universal Music Group das Label übernahm. Seitdem agiert man als "unabhängiges Tochterunternehmen", was auch immer das im Detail heißen mag, und schluckte selbst Anfang 2016 das Kleinlabel Candlelight (u.a. EMPEROR, OPETH, CROWBAR).

Das alles klingt natürlich mehr nach Big Business, nicht nach Metal Underground. Wie dem auch sei, über die Jahre hat Spinefarm es geschafft, sich am Markt zu behaupten und zu expandieren. Parallel erweiterte sich auch die stilistische Bandbreite, und zu den Labelschützlingen zählen heute selbst prominente Bands wie AIRBOURNE und gar Legenden wie VENOM.

Das folgende Video zeigt ein Interview mit Dante Bonutto, seines Zeichens Chef von Spinefarm UK, am Rande des Download-Festivals 2015. Darin erzählt er etwas über "seine" Bands, über den Einfluss der digitalen Entwicklung auf die Musikbranche und über die Bedeutung des Vinyl-Revivals aus Plattenfirmensicht:

Noch drei Randnotizen:

1) Als ich im Jahr 1996 in Finnland im Urlaub war, besuchte ich den Spinefarm-Plattenladen in Helsinki. Sehr gemütlich, gut sortiert, und als Hintergrundbeschallung lief THY SERPENT, die mir gänzlich unbekannt waren und die sofort eingetütet wurden. Leider existiert der Laden heute nicht mehr.

2) Anlässlich des 20jährigen Labeljubiläums hatte Spinefarm u.a. Künstler von ENSIFERUM, FINNTROLL und MOONSORROW zu einem "Summer Camp" zusammengetrommelt. Geplant war eigentlich, dass die Jungs ein paar Songs aufnehmen, die dann unter dem Namen "Spinefarm Allstars" herausgebracht werden sollten. Ob es an zu viel Sonne oder zu viel Alkohol lag ist nicht überliefert, jedenfalls wurde aus dem Album nichts.

3) Die Idee zu diesem Artikel kam, als mir auffiel, wie viele meiner Lieblingsalben von Spinefarm herausgebracht wurden (siehe auch Listenwahn). Ich habe natürlich versucht, Kontakt aufzunehmen und ein paar Infos und Statements aus erster Hand zu bekommen. Aber leider habe ich auf meine wiederholten Anfragen (Kontaktformular auf der Website, e-Mail, Facebook) bis heute keinerlei Reaktion erhalten. Womit wir wieder beim Thema Big Business vs. Metal Underground wären...

Weblinks:

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